Der alte jüdische Friedhof in der Elsässerstraße

"Einer der fundamentalsten israelitischen Glaubensgrundsätze, die Unantastbarkeit der Totenruhe, führte dazu, dass Gräber und Grabmale über Jahrhunderte erhalten bleiben, dass die jüdischen Friedhöfe über Generationen hinweg "wachsen", während auf anderen Friedhöfen immer wieder - nach Ablauf von Ruhefristen - einzelne Gräber oder ganze Grabfelder geräumt werden."

 

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Der im Westen der Stadt gelegene jüdische Friedhof der Stadt Freiburg wurde 1870 geschaffen. Die zunächst 1891 aufgebaute provisorische Friedhofshalle wurden vor 1914 durch einen Neubau ersetzt, durch die Nationalsozialisten aber 1938 zerstört. Von 1949 bis 1952 entstand die jetzige Friedhofshalle. Für die im ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder der jüdischen Gemeinde Freiburg wurde ein Kriegerdenkmal erbaut, ein weiteres Mahnmal mit der Inschrift "Den jüdischen Opfern der Gewaltherrschaft 1933 - 45" in hebräischer und deutscher Sprache wurde im Jahr 1986 errichtet.

 

Auf dem Friedhof befinden sich 900 Grabsteine (Mazevot), die nicht nur in hebräischer Sprache beschriftet sind, sondern auch in der Landessprache deutsch. Neben dem Namen des Verstorbenen ist dort auch der Name des Vaters genannt, eine bedeutsame Quelle für die jüdische Geschichte, da sonstige Unterlagen, ähnlich denen der christlichen Kirchenbücher, nicht existieren.

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Die jüdischen Gräber werden von der Gemeinde nicht eingeebnet, die Steine bleiben bestehen. Der Friedhof hat als Ort des Gedenkens an die Toten einen besonderen Stellenwert und unterliegt als Bet ha-chajjim (Ort des Lebens) oder Bet ha-olam (Ort der Ewigkeit) den Gesetzen des Judentums. Es sind Erdbestattungen üblich, die dauerhafte Totenruhe ist unantastbar. Zwar wird die Begräbnisstätte zukünftig noch für weitere Bestattungen genutzt, doch aus Platzmangel steht seit einigen Jahren ein weiteres Gräberfeld auf dem kommunalen Friedhof in Freiburg-St. Georgen zusätzlich zur Verfügung. Der Israelitischen Gemeinde obliegt neben der Pflege und Instandhaltung der Friedhöfe die Begleitung der Hinterbliebenen während der Phase des Lebensendes, der Bestattung und des Trauerns.