Montag, den 25. August 2014

Roswitha Strüber

 

Am folgenden Tag, am Montag, erwartete die Reiseteilnehmer ein umfangreiches Besichtigungsprogramm, das mit dem Besuch des Holocaust-Denkmals in der Nähe des Brandenburger Tores begann. Die Gedenkstätte, deren offizieller Name "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" lautet, wurde von dem berühmten US-amerikanischen Architekten Peter Eisenman konzipiert und im Jahre 2005 eingeweiht. Die genau 2711 grauen Steinblöcke sollen, so eine von mehreren Deutungen, die Grabstellen der vielen, ungezählten ermordeten Juden symbolisieren, die ohne sichtbare Gräber ihre letzte Ruhe gefunden haben.

 

    

 

Ein kurzer Fußweg führte weiter zum nahegelegenen Brandenburger Tor am Pariser Platz, an dem neben den Botschaftsgebäuden der USA und Frankreichs auch das weltberühmte und traditionsreiche Hotel Adlon gelegen ist.

 

    

 

Die Gedenkstätte "Topographie des Terrors", 1987 auf dem Areal des ehemaligen Hauptquartiers der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) an der damaligen Prinz-Albrecht-Straße, heute Niederkirchnerstrasse, eingerichtet, war der nächste Ort der Besichtigung. Das gleichzeitig als Dokumentationszentrum konzipierte Mahnmal bietet einen detaillierten Überblick über die Verbrechensgeschichte der Nationalsozialisten in den Jahren von 1933 bis 1945. Des weiteren verlief die Berliner Mauer, die am 13. August 1961 von den Behörden der DDR errichtet wurde und zur Teilung Deutschlands führte, parallel zur Niederkirchnerstrasse auf den Untergeschoßmauern des Gestapo-Gebäudes. Ein rund 200 Meter langes Reststück  der Originalmauer ist heute noch auf dem Gelände der Gedenkstätte erhalten.

 

    

 

    

 

Bevor die sehr kundige und versierte Stadtführerin Galina mit der Reisegruppe den kleinen Gedenkort für das abgetragene erste jüdische Altenpflegeheim in der Großen Hamburger Straße aufsuchte, bestand die Gelegenheit zu einem kurzen Besuch der Neuen Synagoge in der Oranienburgerstraße. Sie wurde von dem einflussreichen Berliner Architekten Eduard Knoblauch als Ersatz für die alte Synagoge in der Heidereutergasse gebaut, die für die mittlerweile auf 28000 Mitglieder angewachsene jüdische Gemeinde Berlin viel zu klein geworden war. Die Einweihung fand am 5.September 1866 zum Rosh Hashana Fest statt. Die weitreichenden Zerstörungen im Verlaufe des Zweiten Weltkriegs wurden in der Nachkriegszeit nach den ursprünglichen Plänen behoben, allerdings bis auf den großen Betsaal, dessen freigelassene Fläche zur Mahnung an die Schrecken der Vergangenheit dienen soll.

 

Als der jüdische Friedhof an der Großen Hamburger Straße auf eine Preußische Verordnung hin, die Bestattungen innerhalb des Stadtgebietes untersagte, 1827 geschlossen wurde, errichtete die Gemeinde wenige Jahre später auf dem angrenzenden Areal das erste jüdische Altenheim. Der stillgelegte Friedhofbezirk wurde als kleiner Park mit einbezogen. Fast einhundert Jahre bestand diese wichtige soziale Einrichtung, bis 1942 die Gestapo das Haus schloss und in ein Sammellager für jüdische Bürger, die von dort weiter nach Auschwitz und Theresienstadt transportiert wurden, umfunktionierte. Mehr als 55000 jüdische Männer, Frauen und Kinder erlebten diesen Ort als letzte Station vor den Vernichtungslagern. Eine Bronze-Skulptur des DDR Künstlers Will Lammert auf dem Platz des jüdischen Altenheimes und eine Stele auf dem Friedhof erinnern an das schreckliche Geschehen.

 

    

 

Vorbei am Gendarmenmarkt und am Sowjetischen Ehrenmal an der Straße des 17. Juni im Bezirk Tiergarten, eines der vier sowjetischen Kriegerdenkmäler in Berlin, die zur Erinnerung an die 80000 im Kampf um die Stadt gefallenen Soldaten der Roten Armee errichtet wurden, führte das Besichtigungsprogramm zum Reichstagsgebäude, dem Sitz des Deutschen Bundestages.

 

    

 

Eine Mitarbeiterin des Hauses informierte sympathisch und äußerst sachkundig auf einem Gang durch das Gebäude vom Kellerbereich bis in die transparente Kuppel über die Geschichte des Hauses, über das architektonische Konzept der Außen- und Innengestaltung, über die Funktion der verschiedenen Räume und über ihre symbolischen und künstlerischen Elemente. Ein abschließender Aufstieg in die Kuppel, ein Wunderwerk aus Stahl und Glas des britischen Stararchitekten Sir Norman Foster, faszinierte alle in ganz besonderer Weise.

 

    

 

    

 

    

 

 

Mit einem Besuch des KaDeWe, des traditionellen Kaufhauses am Wittenbergplatz, das trotz massiver Boykottmaßnahmen gegen den jüdischen Besitzer und Handelsunternehmer Hermann Tietz durch die Nationalsozialisten die Zeit des Dritten Reiches überstanden hat, endete das umfangreiche Besichtigungsprogramm an diesem Tag.