Dienstag, den 26. August 2014

 

Roswitha Strüber

 

Mahnmal Gleis 17 im Grunewald war der erste Ort des Besichtigungsprogramms am folgenden Dienstag. Von Oktober 1941 an wurden mehr als 50000 Juden aus Berlin von diesem Bahnhof aus in die osteuropäischen Ghettos und Vernichtungslager verbracht. Allein nach Auschwitz deportierte das NS-Regime vom Bahnhof Grunewald rund 17000 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Verschiedene Monumente auf dem Bahnhofsgelände erinnern die Besucher an diese grauenvollen Ereignisse. So eine Installation von drei Eisenbahnschwellen mit der Datumsinschrift 18.10.41, dem Tag des ersten Abtransportes, errichtet von einer Frauengruppe der evangelischen Gemeinde Grunewald, weiter eine Betonwand mit den Abdrücken menschlicher Körper von dem polnischen Künstler Karol Broniatowski aus dem Jahr 1991 und dann der eigentliche Gleiskörper, dessen Bahnsteigkanten mit eisernen Platten belegt sind, die das Datum der jeweiligen Bahntransporte von Berlin mit der Anzahl der Opfer und dem Fahrtziel tragen. Die Idee für dieses Monument stammt von den Künstlern Nicolaus Hirsch, Wolfgang Lorch und Andrea Wandel.

 

 

    

 

    

 

 

Der nächste Besuch im Grunewald galt der unmittelbar am Wannsee gelegenen Sommervilla von Max Liebermann (1847-1935), Berliner jüdischer Maler und Graphiker. Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 ergeht eine Verordnung der NSDAP an die Preußische Akademie der Künste, deren langjähriger Präsident Liebermann war, keine Werke jüdischer Künstler mehr auszustellen. Aus Protest tritt Max Liebermann daraufhin von dem Präsidentenamt zurück. Zwei Jahre später stirbt er, das Anwesen mit Villa und Garten, der Max Liebermann zu zahlreichen Bildern inspiriert hat, wird 1940 von den Nazis enteignet. Heute ist die Villa als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich und wird von der Max-Liebermann-Gesellschaft betreut.

 

 

 

 

 

 

Wenige Kilometer weiter, ebenfalls direkt am Wannsee gelegen, befindet sich eine herrschaftliche Villa, die ehemals dem Großindustriellen Ernst Malier gehört hat und später von den Nationalsozialisten übernommen wurde. Sie war Ziel auf der weiteren Besichtigungsfahrt. Heute als "Haus der Wannsee-Konferenz" bekannt, fand in ihren Räumen am 20. Januar 1942 unter Leitung des SS-Obergruppenführers und Polizeigenerals Reinhard Heydrich eine Konferenz statt, in der die Organisation und Durchführung der Deportation aller im Deutschen Reich lebenden jüdischen Menschen mit den anderen NS-Dienststellen abgesprochen wurden. Zahlreiche Originaldokumente und Bildmaterialien informieren in der als kleines Museum betriebenen Villa über diese berüchtigte Zusammenkunft der Nazi-Prominenz.

 

 

    

 

 

Nächstes Besichtigungsziel war das Schloss Cecilienhof in Potsdam, das von 1914 bis 1917 für den deutschen Kronprinzen Wilhelm und seiner Frau Cecilie im Stil eines englischen Landhauses errichtet wurde. Berühmtheit erlangte das Schloss durch die sogenannte "Potsdamer Konferenz", zu der sich vom 17. Juli bis 2. August 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Staatschefs der drei Siegermächte Sowjetunion, USA und Großbritannien Josef Stalin, Harry S. Truman und Winston Churchill hier trafen, um über das weitere Vorgehen gegen Deutschland zu beraten. Von der schönen Schlossanlage, die von einem großen Park umgeben ist, steht ein Teil den Besuchern zur Besichtigung mit ausführlichen Informationsmöglichkeiten offen.

 

 

    

 

    

 

 

Nach einer kurzen Pause im Holländischen Viertel der ehemaligen preußischen Garnisons- und heutigen Landeshauptstadt Potsdam brachte der Bus die Reisegruppe zum auf einem kleinen Höhenzug gelegenen Schloss Sanssouci. Der preußische König Friedrich II. ließ nach eigenen Plänen in den Jahren 1745 bis 1747 hier ein kleines Sommerschloss erbauen, das rund einhundert Jahre später König Friedrich Wilhelm IV. zu der heutigen großen Residenz erweiterte. Zu Füßen des Schlosses, in der prächtigen Terrassenanlage, machte die Führerin Galina auf das Grab des Preußenkönigs Friedrich d. Gr. aufmerksam, der verfügt hatte, dass man ihn in einer einfachen Gruft bei seinem Schloss bestattet solle. Erst 205 Jahre nach seinem Tod wurde die königliche Verfügung erfüllt. Am 17. August 1991 wurden die sterblichen Überreste des Königs nach einer langen Irrfahrt an der vorbestimmten Stelle zur letzten Ruhe gebettet. Kurioserweise zieren ständig zahlreiche Kartoffeln seine Grabstelle, ein Hinweis darauf, dass er mehrfach den Kartoffelanbau befohlen hatte, um die Ernährung der breiten Bevölkerung sicher zu stellen.

 

 

    

 

    

 

 

Letzter Programmpunkt des an Besichtigungen reichen Tages war der Besuch des Jüdischen Museums an der Lindenstrasse. Am 9. November 2001 feierlich eröffnet ist das von dem weltberühmten US-amerikanischen Architekten Daniel Libeskind konzipierte Gebäude das  größte jüdische Museum in Europa. Es informiert die Besucher über die Jahrhunderte alte deutsch-jüdische Geschichte und schafft es durch das kongeniale Zusammenspiel von Architektur und ausgestellten Objekten auf die Besucher eine intensive Wirkung zu erzielen. Keiner der Reiseteilnehmer konnte sich diesen Gefühlen entziehen.