„Dialog“ in Karlsruhe

Dimitri Tolkatsch

 

Am 12. Februar fand in der Jüdischen Kultusgemeinde Karlsruhe eine Vortragsreihe mit dem Titel „Dialog“ statt. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Joint Distribution Committee ausgerichtet und bestand aus drei Vorträgen, die zwar alle ein „jüdisches“ Thema behandelten, aber unterschiedlicher kaum hätten sein können. Die recht jungen Referenten beherrschten Deutsch und Russisch und waren damit in der Lage, ihre Vorträge in beiden Sprachen vorzutragen. Und so wurden jeweils zwei Vorträge zur gleichen Zeit gehalten, einer auf Russisch, der andere auf Deutsch, danach wechselten die Redner dann ganz einfach die Säle und konnten ihren Vortrag in der anderen Sprache nocheinmal halten. Natürlich hat das karlsruher Gemeindezentrum nicht viel mehr Räumlichkeiten als das unsere, deswegen wurde der Gebetsraum auch mal als Vortragsort zweckentfremdet und konnte auf eine neue Weise als Stätte jüdischer Bildung dienen.

Diese kreative Art der zweisprachigen Vorträge könnte auch für andere Veranstaltungen als Vorbild dienen. Auf diese Weise konnten die existierenden Sprachbarrieren überwunden werden und die Vortragenden waren in der Diskussion mit dem Publikum mitunter mit sehr unterschiedlichen Reaktionen konfrontiert. So führte der Vortrag zu „Juden in der Politik“ in seiner deutschen Version zu Diskussionen über die „richtige“ Haltung der deutsch-jüdischen Politiker zu Israel, während das russischsprachige Publikum vor allem über das Thema der nichtanerkannten Diplome und Berufserfahrungen und der wegen der Migration zwangsläufig zu niedrig ausfallenden Renten debattiert hat, ein Problem, das sehr viele jüdische Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion betrifft und ein spezifisch jüdisches Problem darstellt, da keine andere Einwanderergruppe im gleichen umfang davon betroffen ist.

Leider fanden nicht viele Besucher anderer Gemeinden ihren Weg nach Karlsruhe, zumindest teilweise liegt das wohl an den zur gleichen Zeit stattfindenden Veranstaltungen, wie z.B. in Freiburg. Das Problem der manchmal auch längeren Anreise hat der Oberrat durch die Übernahme der Fahrtkosten jedenfalls so weit es ging gelöst. Diese Politik des Oberrates ist besonders begrüßenswert, denn gerade die Tatsache, dass es in Baden viele kleinere jüdische Gemeinden gibt, macht es oft unmöglich, größere Veranstaltungen durchzuführen. So werden aber Besuche anderer Gemeinden gefördert und es kann ein interessiertes und heterogenes Publikum zusammenkommen. Es bleibt zu hoffen, dass die Veranstaltungen dieser Art in Baden auch in Zukunft stattfinden werden.

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