Europäischer Tag der Jüdischen Kultur in Freiburg

Roswitha Strüber

 

Von zahlreichen jüdischen und nichtjüdischen Organisationen in Deutschland und in den europäischen Nachbarländern wird seit 1999 am ersten Sonntag im September ein Tag der Jüdischen Kultur veranstaltet, der über die Geschichte, über religiöse Feste und Feierlichkeiten und über das Brauchtum und das kulturelle Leben des Judentums informieren soll. Die Freiburger Israelitische Gemeinde lud zum diesjährigen Aktionstag am 2. September ein und bot ein interessantes und vielfältiges Programm an.

Zur Eröffnung begrüßte die Vorsitzende der Gemeinde, Frau Irina Katz, auch im Namen ihrer Vorstandskollegen, Herrn Michael Kimerling und Herrn Dr. Bahram Farrokhpur die Besucherinnen und Besucher und machte die Anwesenden mit der Situation der Israelitischen Gemeinde in Freiburg vertraut. Neben ihren Ausführungen zum Selbstverständnis der Gemeinde und zur altersspezifischen Zusammensetzung machte Frau Katz aufmerksam auf den hohen Anteil der Gemeindemitglieder, die aus osteuropäischen Ländern nach Freiburg gekommen sind. Ihre Zuwanderung ließ die Gemeinde stark anwachsen, auf derzeit 750 Mitglieder. Gleichzeitig erwähnte die Vorsitzende auch die hierdurch resultierenden besonderen Anforderungen und die auf sie entsprechend abgestimmten Angebote der Gemeinde wie Sprachunterricht und Begleitung der alten Menschen in ihren verschiedenen Lebenssituationen.

Mit Gottesdiensten, religiösen Festen und alltäglichem religiösen Leben  beschäftigten sich die lebendigen Ausführungen von Frau Uschi Amitai, Oberratsdelegierte der IRG Baden. Die vielen Fragen der rund zweihundert interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer nahm Frau Amitai zum Anlass, die Grundlagen des Judentums und ihre Übertragbarkeit auf das tägliche Leben zu erläutern.

Die Fotoausstellung "Israel - eine zeitlose Faszination" zeigt das Land Israel und einige seiner historisch und kulturgeschichtlich interessantesten Stätten, sowie wirtschaftliche sozialpolitische und realpolitische Problemstellungen. Der Vorsitzende des Freundeskreises Freiburg - Tel Aviv, Herr Johannes Reiner, der auf seinen mehr als vierzig Israelreisen die bemerkenswerte Fotografien selbst gemacht hat, verstand es, mit viel Wissen und Empathie durch die Ausstellung zu führen und bei dem Einen oder Anderen das Interesse für eine Reise in das "faszinierende Heilige Land" zu wecken.

Gegen Mittag bot Frau Janina Kalinik, erweiterter Vorstand der GCJZ a.D., einen Informationsgang durch das jüdische Freiburg an. Die Führung begann an der Synagoge, ging weiter zum Münster und dann in die Wasserstraße und Weberstraße, in denen die ersten jüdischen Gemeindezentren in Freiburg beheimatet waren. Zudem wies Frau Kalinik sachkundig auf verschiedene Wohnhäuser von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Freiburg hin.

Eine weitere Führung bot Frau Kalinik mit dem Besuch des Alten Jüdischen Friedhofs an der Elsässerstraße an. Hier erinnerte sie mit dem Aufsuchen der Grabstätten an jüdische Familien, die in Freiburg ansässig waren und das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in der Stadt mit geprägt haben.

Sachkundig und mit viel Charme und feinem Humor gestaltete Dr. Peter Wallach seinen Vortrag über das religiöse jüdische Leben innerhalb und außerhalb der Synagoge. Ausgewählte Musikeinspielungen mit Aufzeichnungen berühmter jüdischer Kantoren ermöglichten den Zuhörerinnen und Zuhörern mit besonderer Emotionalität den biblischen Texten zu begegnen. Dass sich die mehr als zweihundert Anwesenden von dem Vortrag angesprochen fühlten, zeigte die große Anzahl der anschließend gestellten Fragen, die Herr Dr. Wallach mit hoher Kompetenz und profundem Wissen ausführlich beantwortete.

Frau Katz eröffnete den musikalischen Abschluss des Tages, der mit zwei Konzertdarbietungen einen weiteren Höhepunkt darstellte.

Zunächst erlebten die Besucherinnen und Besucher im Jüdischen Gemeindezentrum ein Klavierrecital mit Ilja Voskobojnikov, der im ersten Teil seines Konzertes zum Gedenken an den diesjährigen 150. Geburtstag von Claude Debussy verschiedene Werke des großen französischen Komponisten virtuos vortrug und im Anschluss daran mit Werken von Bruch, Mendelssohn und Gershwin seine Zuhörerinnen und Zuhörer begeisterte. Dies zeigte sich nicht zuletzt am nicht enden wollenden Applaus, den der Künstler mit diversen Zugaben dankend entgegennahm.

Seinen Ausklang fand der Tag der Jüdischen Kultur in der Freiburger Gemeinde mit Shimi Lang, der als One-Man-Band mit Keyboard durch zahlreiche Auftritte in der Schweiz und in Deutschland bekannt ist. Er sang und spielte moderne "Chasidic Music", sein Repertoire reichte von gefühlvollen Balladen bis zu schnellen und Stimmung machenden Rhythmen. Unterstützung erhielt er vom Rabbiner der Gemeinde, Avraham Yitzchak Radbil.

Die zahlreichen Gäste - unter ihnen auch Stadtrat Nikolaus von Gayling-Westphal -, die an den verschiedenen Veranstaltungen der Gemeinde teilnahmen, hatten zudem die Gelegenheit, auch verschiedene Spezialitäten der jüdischen Küche kennenzulernen, die ihnen vor der Synagoge angeboten wurden.

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