Gedenken an die Deportation der Freiburger Juden nach Gurs 2013

Roswitha Strüber

 

Am 22. Oktober jährte sich erneut der Tag, an dem 1940, vor nunmehr 73 Jahren, rund 6500 Menschen jüdischen Glaubens aus Baden und der Saarpfalz nach Gurs, einem im Süden Frankreichs am Rande der Pyrenäen gelegenen Internierungslager, deportiert wurden. Allein aus Freiburg und Umgebung waren es rund 450 Mitbürgerinnen und Mitbürger, die auf Befehl der Nazi-Gauleitung abtransportiert wurden. Viele von ihnen starben bereits dort an den unmenschlichen Haftbedingungen, die übrigen wurden wenig später nach Auschwitz fortgeschafft und dort in den Gaskammern umgebracht. Lediglich einige wenige Inhaftierte überlebten.

 

Für die Israelitische Gemeinde Freiburg wie auch für die übrigen jüdischen Gemeinden in Baden und der Pfalz ist der 22. Oktober ein Tag unendlicher Trauer. In einer Willküraktion der nationalsozialistischen Machthaber wurde der Groߟteil der Gemeindemitglieder zusammengetrieben und in Eisenbahnwaggons abtransportiert. Jüdisches Leben war damit von einem Tag zum anderen in der Stadt ausgelöscht. Zwar erleben wir heute mit groߟer Dankbarkeit und mit hoffnungsvollem Blick in die Zukunft, dass unsere Gemeinde in den zurück liegenden Jahren wieder zu einer lebendigen Gemeinschaft mit einem reichen religiösen und kulturellen Leben herangewachsen ist, es bleibt aber dennoch für uns die Verpflichtung, an die schlimmen Ereignisse des Nazi-Terrors immer wieder zu erinnern und gleichzeitig zu mahnen, dass derartiges Unrecht in Zukunft nicht wieder geschehen kann.

 

Zur Erinnerung an die 450 jüdischen Deportationsopfer aus Freiburg und Umgebung hat die Stadt Freiburg im Jahre 2003 ein Mahnmal gegen das Vergessen an der Wiwilibrücke, der blauen Brücke am Freiburger Hauptbahnhof, eingerichtet. Es zeigt einen vergessenen Mantel mit einem Judenstern, der auf der steinernen Brüstung der Brücke wie abgelegt wirkt. Eine Gedenktafel daneben erinnert mit ihrem Text an die schrecklichen Ereignisse des 22. Oktobers 1940. Für dieses deutliche und unmissverständliche Zeichen bedankt sich die Israelitische Gemeinde Freiburg bei den Verantwortlichen der Stadt in großer Aufrichtigkeit. Die Solidarität, die die Gemeindemitglieder auf diese Weise erleben, hilft in besonderem Maße, die grauenhaften Erlebnisse der Vergangenheit zu tragen.

 

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Für die Israelitische Gemeinde Freiburg ist es ein verpflichtendes und wichtiges Anliegen, den 22. Oktober und die Leiden, die für so viele Mitglieder der damaligen Gemeinde mit diesem Datum verbunden waren, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Deshalb gedachte der Vorstand in Anwesenheit der beiden Stadträte Pia Maria Federer und Prof. Dr. Lothar Schuchmann, die als offizielle Vertreter der Stadt Freiburg erschienen waren, auch in diesem Jahr der verschleppten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die Vorstandsvorsitzende Irina Katz legte ebenso wie die Stadt Freiburg ein Blumengesteck am Mahnmal an der Wiwilibrücke nieder und erinnerte mit bewegenden Worten an die damaligen Ereignisse. Bei dieser Gelegenheit dankte sie auch der anwesenden Marlies Meckel, auf deren Initiative die Verlegung von Stolpersteinen in Freiburg zurückgeht. Die Israelitische Gemeinde unterstützt sie und ihren Mann Andreas in ihrem Bemühen um die Einrichtung einer Mahn- und Gedenkstätte für Freiburg. Gemeindekantor Joseph Hayoun beschloss mit Gebeten für die Verstorbenen den Gedenkakt.

 

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Viele der Anwesenden betonten in anschließenden Gesprächen, dass es unverzichtbar sei, Stätten des Erinnerns zu pflegen und durch sie nachfolgende Generationen mahnend auf die vergangenen Unrechts- und Greueltaten aufmerksam zu machen.

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