Gedenken in Gurs 2014

Roswitha Strüber

 

An der diesjährigen Gedenkfeier zum "Tag der Deportierten" am 27. und 28. April im ehemaligen Internierungslager Gurs in Südfrankreich nahm auch zum wiederholten Mal Vorstandsvorsitzende Irina Katz mit ihrem Vorstandskollegen Michael Kimmerling und einigen anderen Mitgliedern der Israelitischen Gemeinde Freiburg teil. Sie begleiteten eine rund 80 köpfige Delegation, die unter der Leitung von Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon vom Flughafen Karlsruhe/ Baden-Baden nach Pau aufbrach. Weitere Israelitische Gemeinden aus Baden und die Städte Karlsruhe, Emmendingen, Mannheim, Lörrach, Konstanz Pforzheim, Offenburg Baden-Baden, Bruchsal, Heidelberg und der Bezirksverband Pfalz hatten ebenfalls ihre Vertreter entsandt.

 

 

 

An der zentralen Gedenkveranstaltung am Sonntagnachmittag auf dem Friedhof Gurs begrüßten zunächst Bürgermeister Michel Forcade von Gurs und Generalkonsul Hans-Werner Bussmann aus Bordeaux die Anwesenden. Danach erinnerte Dr. Salomon als Sprecher der AG an die verbrecherischen und abscheulichen Taten der damals verantwortlichen Nazi-Oberen, die im Oktober 1940 mehr als 6500 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus ihren Heimatstädten in Baden und der Pfalz, allein aus Freiburg rund 400 Männer, Frauen und Kinder, heraus getrieben und unter Menschen unwürdigen Bedingungen in das Lager Gurs deportiert hatten. Unzählige der Gefangenen starben in der Folge an Hunger und Kälte, bevor sie weiter nach Auschwitz transportiert wurden. Gleichzeitig aber mahnte Dr. Salomon die Anwesenden und darüber hinaus alle politisch Verantwortlichen, nicht allein im Erinnern und Gedenken zu verharren, sondern dafür Sorge zu tragen, dass das Wissen um das grauenvolle Geschehene weiter getragen wird zu den jungen Leuten, den Schülerinnen und Schülern, damit derartiges Unrecht sich in Zukunft niemals wiederholen kann.

 

 

 

Die gleichen Gedanken formulierten auch David Seldner, Sprecher der IRG Baden, Paul Niedermann als Zeitzeuge und weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft, die Dr. Salomon als Redner nachfolgten. Abschließend sprachen gemeinsam mit den Anwesenden ein katholischer Priester ein Gebet und Landesrabbiner Moshe Flomenmann und ein französischer Rabbiner das Kaddisch und El male rachamin.

 

 

 

 

 

 

 

 

Am späteren Nachmittag lud der Bürgermeister von Gurs zum Ehrenwein in das städtische Gemeindezentrum ein. Er überreichte Oberbürgermeister Dr. Salomon die Ehrenmedaille der Stadt Gurs und bat ihn, sich in das goldene Buch der Stadt einzutragen. Anschließend hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gedenkveranstaltung Raum zu Gesprächen und Gedankenaustausch.

 

 

 

 

Im Mittelpunkt des folgenden Vormittages stand ein Vortrag von Professor Dr. Bernd Martin, der über das Schicksal der badischen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus referierte, und das Zeitzeugengespräch mit Paul Niedermann. Die anschließenden zahlreichen und lebhaften Nachfragen der Zuhörerinnen und Zuhörer bezeugten das große Interesse und die Betroffenheit, die beide Referenten bei den Anwesenden auslösten.

 

 

 

Am Nachmittag führte Paul Niedermann die Teilnehmer über das Lagergelände und berichtete an den verschiedenen Stationen über die eigenen persönlichen Erlebnisse während seiner Inhaftierung an diesem Ort. Mit diesen authentischen Rückerinnerungen eines Betroffenen fanden die Gedenktage in Gurs ihren Abschluss, und die angereisten Besucher verabschiedeten sich in großer Nachdenklichkeit.

 

 

 

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