Isaak Babel – Poet und Kriegsreporter zugleich

4. Russisch-deutscher Literaturabend

Roswitha Strüber

Der vierte Leseabend in der Reihe „Russisch-deutsches Literaturcafé“ widmete sich dem in der Ukraine geborenen jüdischen Schriftsteller Isaak Babel. Eingeladen am Mittwochabend, den 26. November 2014, hatten als gemeinsame Veranstalter die israelitische Gemeinde und die Stadtbibliothek Freiburg in die Bibliotheksräume am Münsterplatz. Herzlich und auch ein wenig mit Stolz über die mittlerweile fest etablierte literarische Werkschau russischer Schriftsteller begrüßten Irina Katz, Vorstandsvorsitzende der israelitischen Gemeinde, und Bibliotheksleiterin Dr. Elisabeth Willnat die zahlreich erschienenen interessierten Besucher. Ihr besonderer Dank aber galt Dr. Bettina Kaibach vom Slavischen Institut der Universität Heidelberg, die als Mitherausgeberin und Übersetzerin der Erzähltexte Babels den Abend gestaltete und gemeinsam mit dem Künstlerpaar Marina Kalmykova und Igor Hohlovkin die erst jüngst im Carl Hanser Verlag erschienenen Erzählungen „Mein Taubenschlag“ erlebbar machte.

„Von alptraumhaften Kinderszenen über lebenspralle Gaunergeschichten, Erzählungen vom Erwachen der Liebe und dem Entdecken der Künste bis zu den schonungslosen Beschreibungen von Pogrom und Krieg – Isaak Babel ist der Chronist der Jahrzehnte vor und nach der Russischen Revolution.“ So charakterisiert der Klappentext der Buchausgabe „Mein Taubenschlag“ treffend und prägnant das schriftstellerische Wirken Babels. 1894 als Sohn jüdischer Eltern in Odessa geboren, arbeitete Isaak Babel später als Journalist in St. Petersburg und nahm von 1920 an auf Anraten seines Freundes Maxim Gorki als Kriegsreporter der Reiterarmee des Generals Budjonny am Russisch-Polnischen Krieg teil. Betroffen über die Grausamkeiten der Kriegserlebnisse berichtete er offen und schonungslos über seine Erfahrungen in mehreren Geschichten, die später in dem Band „Die Reiterarmee“ gesammelt veröffentlicht wurden. Babel bekam erste Anfeindungen zu spüren, die sich durch weitere ungeschönte Erzählungen über die Brutalität stalinistischer Repressionen in den 1930ger Jahren intensivierten. Schließlich wurde Babel 1939 auf Grund von Denunziationen verhaftet und 1940 in Moskau hingerichtet.

Nach einem kurzen Blick auf Leben und Werk Isaak Babels führte Bettina Kaibach ihre Zuhörer in die Welt der “Geschichten aus Odessa“ ein und las verschiedene Passagen aus den beiden Erzählungen „Der König“ und „Ljubka Kazak“ vor. Igor Hohlovkin, ausgewiesener Rado- und Synchronsprecher, trug die entsprechenden Textabschnitte jeweils in russischer Sprache vor und verlieh so den Worten des Schriftstellers unmittelbare Authentizität. Zugleich gelang es Marina Kalmykova durch ihre Interpretation zeitgenössischer jiddischer Lieder ein Stück Atmosphäre des damaligen Lebensgefühls in der Stadt am Schwarzen Meer spürbar werden zu lassen, das Isaak Babel so lebendig zu schildern vermochte. Ein Gedicht von Eduard Bagrizki, einem Freund Babels, ausdrucksstark rezitiert von Igor Hohlovkin, beschloss den Leseabend. Die Veranstalterinnen Irina Katz und Dr. Elisabeth Willnat zeigten sich erfreut über das große Interesse beim Publikum und bedankten sich mit Blumenpräsenten bei den Mitwirkenden der Veranstaltung.

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