Israelitische Gemeinde gedenkt der Bombardierung Freiburgs 1944

Quelle: Stadtarchiv Freiburg

Roswitha Strüber

 

"Vor nunmehr 70 Jahren, am Abend des 27. November 1944, sahen sich unsere Stadt und die damals in ihr lebenden Menschen einer der schrecklichsten Katastrophen ausgesetzt, die Freiburg jemals in seiner fast 900 jährigen Geschichte erleben musste. Innerhalb von wenigen Minuten wurden bei einem verheerenden Luftangriff große Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt, fast 2800 Frauen, Männer und Kinder kamen in den Trümmern um, unzählige Verletzte überlebten nur knapp in dem Inferno. Der Krieg, ein Ergebnis der wahnwitzigen ideologischen Verblendung des Hitlerregimes, zeigte sich auch in unserer Stadt von seiner grausamsten Seite.

 

Mit tiefer Anteilnahme und mit großem Respekt vor den Opfern der Schreckensnacht und ihren Angehörigen lädt die Israelitische Gemeinde zu dieser Gedenkveranstaltung ein. Das damals Geschehene darf nicht dem Vergessen ausgeliefert werden. Es ist und bleibt eine geschichtliche Realität, die nicht verharmlost oder wegdiskutiert werden kann. Darüber hinaus gilt es aber auch, mit dem Blick auf die leidvollen Erfahrungen der Vergangenheit zukünftig mögliche, die Freiheit oder die Menschenwürde eingrenzenden Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen und auch zu benennen. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, der sich die jüdischen Menschen in ganz besonderer Weise stellen."

 

Mit diesen Worten führte die Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Freiburg Irina Katz die Gedenkveranstaltung ein, zu der der Vorstand am Donnerstag, den 27 November abends anlässlich des verheerenden Luftangriffs auf Freiburg eingeladen hatte. Zahlreiche Freiburgerinnen und Freiburger waren der Einladung gefolgt und in die Synagoge gekommen. Neben verschiedenen Ehrengästen, unter ihnen Alt-Oberbürgermeister Dr. Rolf Böhme, Professor Dr. Wolfgang Jäger, ehem. Rektor der Universität, und Stadtrat Dr. Klaus Schüle konnte Irina Katz auch den Ersten Bürgermeister der Stadt Freiburg Otto Neideck willkommen heißen, der die Grüße der Stadt Freiburg überbrachte. In seinem Grußwort bedankte sich der Bürgermeister sehr herzlich für diese Gedenkstunde. Zeigt es doch unmissverständlich, so der Bürgermeister in seiner Rede, dass die jüdischen Menschen als integrierter Teil der Bürgerschaft das unsagbare Leid, das im November 1944 mit der Bombardierung über Freiburg hereingebrochen war, uneingeschränkt mittragen und den damaligen Opfern ihren ganzen Respekt entgegenbringen.

In dem folgenden Vortrag "Der 27. November 1944: Die Zerstörung Freiburgs" von Dr. Heinrich Schwendemann, Akademischer Oberrat am Historischen Seminar der Universität Freiburg, verfolgte der Referent die Entwicklung des Luftkrieges zwischen den alliierten Truppen und der Deutschen Wehrmacht in den Jahren 1940 bis 1945 und ordnete vor diesem Hintergrund das Ereignis der Bombardierung Freiburgs nach militärtaktischen Überlegungen ein. Zugleich beschrieb er detailliert den Verlauf des Angriffes und die schrecklichen Folgen für die Freiburger Bevölkerung. Bebildert durch Fotodokumente aus dem Freiburger Stadtarchiv erschloss sich den Anwesenden durch diese Ausführungen das ganze Grauen jenes 27. Novembers.

In ihrem Schlusswort bedankte sich Irina Katz bei Bürgermeister Neideck und Dr. Schwendemann für ihre Beiträge und bei den Besucherinnen und Besuchern für ihr Kommen. Ein ganz besonderer Dank der Vorsitzenden galt aber auch Kantorin Sofia Falkovitch und Kantor Elkana Hayoun. Mit ihrer außergewöhnlichen stimmlichen Virtuosität und ihren tief beeindruckenden Interpretationen der verschiedenen Gesangsbeiträge - Eli Eli, Avinu Shebashamaim, Avinu Malkenu, Shtiller Shtiller zu Beginn, El male rachamim, Kaddisch von Maurice Ravel zum Schluss - verliehen sie der Gedenkstunde einen von allen Anwesenden als ausgesprochen würdevoll und bewegend wahrgenommenen Rahmen.

Zurück