Julius Bloch und Jean Philippe - Zwei Schicksale, die verbinden Initiative zu einer "Brücke der Erinnerung"

Roswitha Strüber

 

Julius Bloch war Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Freiburg und einige Zeit deren Vorsitzender. Er wurde am 26.10.1874 geboren und hatte seinen ständigen Wohnsitz in Freiburg bis der Nazi-Terror ihn erreichte. Gemeinsam mit über 400 anderen jüdischen Menschen aus Freiburg wurde Julius Bloch am 20.Oktober 1940 in das Internierungslager Camp de Gurs nach Südfrankreich deportiert. Er starb ein Jahr später am 13.Oktober 1941 in Cours Dillon, Toulouse.

 

Jean Phillipe, Polizeikommissar von Toulouse, schied am 13. Januar 1943 freiwillig aus dem Polizeidienst aus, weil er die antijüdische Politik und die rechtlichen Diskriminierungsverordnungen der Juden durch das Vichy-Regime nicht umsetzen und mittragen konnte. Er wurde deshalb 1943 verhaftet und nach Freiburg deportiert. Dort verurteilte ihn ein Gericht in einem Scheinprozess zum Tod. Seine Erschießung fand am 1. April 1944 in Karlsruhe statt.

 

Zwei Lebenswege unter vielen anderen Tausenden, die grausam und willkürlich beendet wurden. Sie haben aber in den Heimatstädten der beiden Nazi-Opfer, in Toulouse und Freiburg, Menschen bewegt, die die leidvollen Schicksale nicht unberührt gelassen haben. Sie nehmen sie vielmehr zum Anlass, sich für eine aktive Erinnerungsarbeit mit Blick auf die Nazi-Verbrechen einzusetzen, die von beiden Städten gemeinsam getragen wird. Es wurde so die Idee entwickelt, eine "Brücke der Erinnerung" zwischen Freiburg und Toulouse zu spannen, die einen Diskurs und Austausch über die jeweilige NS-Vergangenheit befördert. Initiatoren dieser Allianz gegen das Vergessen sind u.a. Rosita Dienst-Demuth, Leiterin der Geschichtswerkstatt an der Lessingschule in Freiburg und der Historiker Jean-Francois Mavel aus Montauban, der Nachbarstadt von Toulouse.

 

Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Freiburg zeigte große Offenheit und Bereitschaft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit, als die Idee an die Gemeinde herangetragen wurde. Die Vorstandsvorsitzende, Irina Katz, reiste deshalb vom 24. - 26  Juli nach Montauban, um erste Kontaktgespräche mit den dortigen Projektvertretern aufzunehmen. Noch am Ankunftstag vermittelte Jean-Francois  Mavel dem Gast aus Freiburg in einem Vortrag detailliert einen Überblick über das gesamte Projektvorhaben, von den anfänglichen Überlegungen, die zu der "Brücke der Erinnerung" führen sollen, bis hin zum derzeitigen Stand der Entwicklung, in dem bereits konkrete Vorschläge zu einer möglichen Umsetzung diskutiert werden. Freunde und an der Thematik interessierte Personen waren ebenfalls zu dem Vortrag gekommen, um sich informieren zu lassen.

 

 

Es folgte am nächsten Tag im Rathaus von Montauban ein Empfang für die Freiburger Vorstandsvorsitzende durch zwei Vertreterinnen der Stadtverwaltung. Die Bürgermeisterin war zu ihrem Bedauern leider gezwungen, kurzfristig einen anderen Termin wahrzunehmen, ließ aber ganz herzliche Grüße übermitteln. Mit großer Nachdrücklichkeit sicherten beide Kommunalpolitikerinnen im Namen der Bürgermeisterin dem Projekt die Unterstützung der Stadt Montauban zu und äußerten die Hoffnung, dass sich die Stadt Freiburg ebenfalls in das Projekt einbindet. Irina Katz bedankte sich für die sehr freundschaftliche Begegnung mit einem Buchpräsent und versprach, das Votum mit nach Freiburg zu nehmen und an den dortigen Oberbürgermeister Dr. Salomon weiter zu leiten.

 

 

Ein besonderes Anliegen für die Vorstandsvorsitzende Irina Katz war es, der Synagoge in Montauban einen Besuch abzustatten und durch ein gegenseitiges Kennenlernen auch den Weg auf der Gemeindeebene für eine zukünftige freundschaftliche Begegnung vorzubereiten. Mit einer Führung durch den eindrucksvollen Gebetsraum endete das Treffen.

 

 

Nur wenige Tage nach diesem Besuch nahm die „Brücke der Erinnerung“ bereits konkrete Formen an. Jean-Francois Mavel war nach Freiburg gekommen und stellte Schülerinnen und Schülern der Lessingschule gemeinsam mit Rosita Dienst-Demuth in einer Informationsveranstaltung die Grundzüge des Projektunternehmens vor. Ein Anfang, der Hoffnung und Mut machen sollte.

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