Kinder im Zweiten Weltkrieg

Roswitha Strüber

 

Unter dem Thema "Kinder im Zweiten Weltkrieg - Spuren ins Heute" steht in der Zeit vom 14. März bis zum 16. Juli eine Freiburger Veranstaltungsreihe, an der sich fünfzehn verschiedene Organisationen und Einrichtungen beteiligen. Auch die Israelitische Gemeinde Freiburg ist Kooperationspartner dieses Projekts und lud am Mittwoch, den 2. April zu ihrer Veranstaltung in den Gertrud-Luckner-Saal des Gemeindezentrums ein. Dr. Pavel Polian, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Freiburg, berichtete von seinem aktuellen Forschungsprojekt, in dem er den Schicksalen von jüdischen Menschen nachgeht, die als Kinder während des Zweiten Weltkrieges in der ehemaligen Sowjetunion gelebt haben.

 

 

In Anwesenheit von fünf  Zeitzeugen, die die Vorstandsvorsitzende Irina Katz sehr herzlich begrüßte, rückte der Referent Kindheits- und Kriegserlebnisse dieser unmittelbar betroffenen Personen in den Mittelpunkt. Sie alle verbrachten ihre Kinderzeit in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, das von September 1941 bis Januar 1944 hermetisch von den deutschen Truppen abgeriegelt wurde. Mehr als eine Million Bewohner sollen durch diese sogenannte Leningrader Blockade umgekommen sein, die meisten von ihnen verhungert. Mit gefilmten Interviews und kommentierten Kurzbiographien informierte Pavel Polian die zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher über dieses nur schwer zu verstehende Zeitgeschehen. Spontane Äußerungen von Personen aus dem Zuhörerkreis, die auf ähnliche eigene Erlebnisse zurückblickten, ergänzten die wissenschaftlichen Betrachtungen in emotional anrührender Weise. Der Untertitel der Veranstaltung. "Mama hat mich hinter dem Ofen versteckt. Bist Du ein jüdisches Mädchen? Sie werden dort getötet, wohin gehst Du denn?"erhielt somit eine zusätzliche und nachhaltig wirkende Erfahrung für das Publikum.

 

 

Dass diese begonnene Rückbesinnung auf weniger beachtete Facetten des Zweiten Weltkrieges keine Momentaufnahme bleibt, forderte in einem anschließenden Gespräch Frau Dr. Karin Orth, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität Freiburg. Sie kündigte an, die Anregung von Irina Katz zu weiteren Veranstaltungen vor allem mit Jugendlichen im kommenden Herbst aufzugreifen. Außer den anwesenden Zeitzeugen, die die Vorstandsvorsitzende am Schluss mit symbolhaften roten Nelken ehrte, bedankte Frau Katz sich vor allem auch bei Vladislav Belinskiy, der mit seinem Vortrag russisch-jüdischer Lieder den Abend würdig mitgestaltete.

 

 

Parallel zu der Veranstaltungsreihe und als Ergänzung einzelner Programmpunkte wurde am 1.4. die Ausstellung der EVZ-Stiftung „...wie das Atmen frischer Luft“ im Regierungspräsidium eröffnet. Neun Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Belarus, Russland und der Ukraine berichten von ihren Schicksalen in Konzentrationslagern, als Partisanen und Zwangsarbeiter unter deutscher NS-Besatzung. Die Ausstellung dauert bis 30.4.2014 an.

 

 

Ort: Regierungspräsidium Freiburg, Basler Hof

       Kaiser-Joseph-Straße 167 in Freiburg

 

Zurück