Lesung mit Alissa Ganijewa

im Rahmen des Russisch-deutschen Literaturcafés

 

Roswitha Strüber

 

Die Israelitische Gemeinde Freiburg und die Stadtbibliothek Freiburg haben am Dienstag, den 16. September, wieder gemeinsam, nun bereits schon zum dritten Mal, im Rahmen des Russisch-deutschen Literaturcafés einen Leseabend veranstaltet. Eingeladen war die junge russische Autorin Alissa Ganijewa aus Moskau, die vor kurzem erst mit ihrem ersten Roman "Die russische Mauer", erschienen im Suhrkamp Verlag, große Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden hatte.

 

Die Veranstalterinnen Irina Katz, Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Gemeinde, und Bibliotheksleiterin Dr. Elisabeth Willnat konnten zahlreiche Besucher begrüßen, die in die Räume der Stadtbibliothek gekommen waren. Begleitet wurde Alissa Ganijewa von der Lektorin und Sprachdozentin Christiane Körner aus Frankfurt, die bei Suhrkamp für die Übertragung des Romans aus dem Russischen zuständig war. Sie stellte zunächst die Autorin dem Publikum vor und verwies in diesem Zusammenhang auf Ganijewas literarisches Debüt, den Kurzroman "Salam, Dalgat", der als ihr Debütwerk mehrfach ausgezeichnet wurde und in dem Sammelband "Das schönste Proletariat der Welt. Junge Erzähler aus Russland", herausgegeben von Christiane Körner, ebenfalls bei Suhrkamp erschienen ist.

 

 

Alissa Ganijewa wurde 1985 zwar in Moskau geboren, wuchs aber in Dagestan auf, da ihre Eltern schon bald nach der Geburt in ihre kaukasische Heimat zurückkehrten. Nach ihrem Studium am Gorki-Institut in Moskau arbeitet Alissa Ganijewa als Kritikerin in der russischen Hauptstadt.

 

In ihrem Roman "Die russische Mauer" führt Alissa Ganijewa die Leser in ihre dagestanische Heimat, einen Vielvölkerstaat mit weniger als drei Millionen Einwohnern, der noch bis 1991 eine Republik der Sowjetunion war. Eines Tages macht das Gerücht die Runde, Russland beabsichtige durch die Errichtung einer Mauer die Kaukasusregion mit Dagestan vom russischen Territorium abzutrennen. Bei den zahlreichen verschiedenen ethnischen Bevölkerungsteilen löst dieses Gerede die unterschiedlichsten Reaktionen aus. Unruhe macht sich breit und wächst schon bald zu einer Katastrophe heran. Ethnische, religiöse und politische Gruppen bekämpfen sich aufs heftigste. Inmitten all dieser Auseinandersetzungen steht Schamil, ein junger Dagestaner, der sich als Lokalreporter versucht.

 

Für die Lesung hatten die Autorin und Christiane Körner zwei Textpassagen ausgewählt, die von ihnen jeweils auf Russisch und Deutsch vorgetragen wurden. In diesen Lesebeispielen ging es vor allem um die gesellschaftliche Position der Frauen, die in dem vormals deutlich matriarchalisch geprägten Gesellschaftssystem seit einigen Jahren einschneidenden Veränderungen unterworfen ist. Unter dem Einfluss islamischer Fundamentalisten werden Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Frauen zunehmend eingeschränkt.

 

   

 

   

 

Die kulturellen Unterschiede, die besonderen religiösen Vorstellungen des Islam und die Beziehungen zu Russland sind die Konflikt beladenen Themen, die die vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppierungen in Dagestan entzweien. Davon erzählt Alissa Ganijewa in ihrem Roman, darüber berichtete die sympathische junge Frau aber auch in dem von allen sehr engagiert geführten Gespräch im Anschluss an die Lesung. Mit einem herzlichen Dankeschön an die beiden Akteurinnen und mit einem Blumenpräsent beendeten die Veranstalterinnen den äußerst interessanten Abend.

 

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