Stolperstein-Führung für die Israelitische Gemeinde Freiburg

Text: Marlis Meckel

Foto: Roswitha Strüber

 

 

Am Dienstag, dem 8. März 2014, fand eine Stolperstein-Führung von Marlis Meckel, der Initiatorin des Freiburger Stolperstein-Projekts, für die Israelitische Gemeinde Freiburg statt. An der Führung, die von 11.00 bis 13.00 Uhr dauerte, nahmen mehr als zwanzig interessierte Personen teil. Die sehr einfühlsame Übersetzung ins Russische wurde sehr kompetent von Frau Miller geleistet.

 

Ausgangspunkt war die Synagoge. An der Gedenktafel für die 1940 nach Gurs deportierten jüdischen Freiburgerinnen und Freiburger und an der Vitrine mit den Gedenksteinen gab Marlis Meckel zunächst eine Einführung in die Geschichte, Idee und die Entwicklung des Stolperstein-Projekts allgemein und für Freiburg im besonderen: Nach einer Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig sind in Europa bereits rund 40 000 Stolpersteinverlegt worden. In Russland sind in der Stadt Orjol und der Nachbarortschaft Kromy seit Oktober 2013 die ersten vier Stolpersteinzu sehen. Freiburg war die erste Stadt in Süddeutschland, wo nach einem einstimmigen Beschluß der Gemeinderats vor 11 Jahren die Verlegung von Stolpersteinbeginnen konnte. Heute erinnern 350 Stolpersteinin der Stadt an das Schicksal von Verfolgten unterschiedlichster Opfergruppen während der Zeit des nationalsozialistischen Terrors.

 

Die eigentliche Führung begann bei den drei in der Nussmannstrasse verlegten Stolpersteine für die Familie Reichmann. Ignaz Reichmann ist nach dem Zwangsaufenthalt 1938 im KZ Dachau und seiner Flucht in die Schweiz, seiner Ausweisung zurück nach Deutschland und erneuter Flucht, dieses Mal nach Belgien, von dort aus zusammen mit seiner Frau Marie, und gefolgt von der Tochter Hanna, in Auschwitz ermordet worden.

 

 

Vor dem Regierungspräsidium „Basler Hof“ erinnern fünf Stolpersteine an Menschen, die hier in der ehemaligen Gestapo-Zentrale zwischen 1933 und 1941 mißhandelt wurden. Jahrelange Bemühungen führten schließlich zu einer Tafel, die auf diesen Ort des Schreckens in der NS-Zeit hinweist. Da die Tafel im Inneren des Gebäudes aufgehängt wurde, ist ihre Erinnerungsfunktion eingeschränkt.

 

Die Führung endete am Stolperstein für Kurt Adler vor dem Kaufhaus Breuninger, wo die Familie Adler früher ein großes Schuhgeschäft besaß. Kurt Adler, mit seiner Familie in das KZ Gurs deportiert, litt an Epilepsie und starb dort, weil er keinerlei nötige Medikamente bekam. Seiner Familie gelang es, von Gurs aus nach Uruguay zu entkommen. Zu den vielen bewegenden Kontakten mit Angehörigen der Opfer gehört auch der mit Ernesto Adler, einem Neffen von Kurt Adler, der sich vor einigen Monaten aus Montevideo bei Marlis Meckel meldete.

 

Während der Führung konnten viele interessante Fragen beantwortet werden.

 

Elena Miller, Dr. Pavel Polian, Marlis Meckel, Irina Katz (v. l. n. r.)

 

Nach dem Rundgang bedankte sich die Vorstandvorsitzende, Frau Irina Katz, im Namen der Gemeinde mit einem Blumenstrauß bei Frau Marlis Meckel.

 

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