Großes Besucherinteresse bei Jom haAtzma’ut-Feier in Freiburg

Text und Fotos: Roswitha Strüber

 

Rund 250 Besucherinnen und Besucher drängten sich auf Einladung der Israelitischen Gemeinde am Sonntag, den 26. April in der Freiburger Synagoge zur diesjährigen Jom haAtzma’ut-Feier und erlebten ein emotionales und vielfältiges Programm. Für jüdische Menschen ist Jom haAtzma’ut ein besonderer Festtag, der in Israel, aber auch in allen jüdischen Gemeinden auf der Welt freudig und ausgelassen begangen wird. Er erinnert an die lang ersehnte Selbständigkeit und Unabhängigkeit, die das Judentum mit der offiziellen Gründungsdeklaration des Israelischen Staates  nach rund 2000 Jahren Heimatlosigkeit am 14. Mai 1948 erhalten hat.

 

Da in diesem Jahr sich der Tag der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel vom 12. Mai 1965 zum fünfzigsten Mal jährt, verband der Vorstand der Gemeinde die eigene Auftaktveranstaltung zu dem umfangreichen Kulturprogramm, das zahlreiche Freiburger Institutionen und Einrichtungen aus Würdigung dieses außergewöhnlichen politischen Ereignisses für das Jahr 2015 geplant haben, mit dem Jom haAtzma’ut-Fest. In ihrer Begrüßungsansprache betonte die Vorstandsvorsitzende Irina Katz ausdrücklich dieses bedeutsame Datum. Wörtlich sagte sie: “Die Anzweiflung des Existenzrechtes Israels entwickelte fast vom ersten Tag der Unabhängigkeitserklärung an ein politisches und gesellschaftliches Bedrohungsszenarium. In dieser Situation ist es für die jüdischen Menschen gut zu wissen, viele nationale Regierungen an ihrer Seite zu sehen, unter ihnen die Bundesrepublik Deutschland an vorderster Stelle. Die diplomatischen Beziehungen, die Deutschland und Israel vor nunmehr 50 Jahren am 12. Mai 1965 aufgenommen haben, sind ein ausdrucksstarkes Zeichen einer gemeinsamen Verbundenheit.“

Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden aus Karlsruhe, äußerte sich in seinem Grußwort in der gleichen Weise und wies darauf hin, dass es gelungen sei, den Terror des Dritten Reiches zu überwinden und jüdischem Leben und jüdischer Kultur in Deutschland wieder Raum zur freien Entfaltung zu geben.

Nach einem feierlichen gemeinsamen Gebet für den Staat Israel mit dem Freiburger Kantor Elkana Hayoun wurde die festliche und würdevolle Gedenkstunde in dem Synagogenraum beschlossen.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten großen Gertrud-Luckner-Gemeindesaal konnte die Vorstandsvorsitzende Irina Katz zu ihrer sichtbaren Freude zahlreiche Vertreter der Politik aus Stadt- und Landesparlament begrüßen, an erster Stelle den ehemaligen Staatsminister und heutigen Regierungsbeauftragten für Osteuropa, Gernot Erler, der der Freiburger jüdischen Gemeinde seit langem verbunden ist. In seiner Rede zeichnete Erler den langen Weg der deutsch-israelischen Verständigung nach und benannte die einzelnen Stationen dieser bedeutsamen Entwicklung. Gleichzeitig bekräftigte er die unverbrüchliche Zusage der Bundesregierung zu einer Sicherung des Existenzrechtes Israels.

Auch die Landespolitikerinnen Gabi Rolland (SPD) und Edith Sitzmann (Die Grünen) erinnerten in ihren Wortbeiträgen an die leidvolle Geschichte des Judentums in Deutschland, verwiesen aber auch auf das auf gegenseitigem Vertrauen gewachsene freundschaftliche Zusammenwirken beider Staaten sowohl auf politischer wie auf gesellschaftlicher Ebene. In Vertretung von Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon überbrachte Stadtrat Dr. Klaus Schüle (CDU) die Grüße der Stadt Freiburg und erklärte, das die politisch Verantwortlichen mit großer Sympathie die Vielfalt des jüdischen Lebens in der Stadt und die Öffnung der Gemeinde hin zu allen Bürgerinnen und Bürgern verfolge. Die lebendige jüdische Kultur sei eine unverzichtbare Bereicherung des öffentlichen Lebens in der Stadt.

Eine 15-minütige Videodokumentation, die Katja Tzafrir, Deligierte des JNF-KKL für Bayern und Baden-Württemberg, vorstellte, informierte über die vielfältigen Aktionen und Projekte, die der Jüdische Nationalfond mit den großzügigen Spendengeldern aus Deutschland für die Aufforstung israelischer Wüsten- und Karstgebiete bisher durchführen konnte.

 

Große Begeisterung bei allen Anwesenden löste das folgende Israelische Kabarett mit Mosche Becker aus, den der Gemeindevorstand anlässlich der Jubiläumsveranstaltung aus Tel Aviv eingeladen hatte. In Israel ist Becker einer der bekanntesten und beliebtesten Darstellungskünstler, der mit seiner unverwechselbaren humorvollen Präsentation seines Liedprogramms auch in Freiburg nicht enden wollenden Applaus erhielt.

Zwischenzeitlich hatten viele fleißige Hände auf mehreren Stockwerken des Gemeindezentrums für die zahlreichen Besucher ein reichhaltiges kaltes Büffet mit israelischen Spezialitäten gerichtet. Pitas, Hummus, Salate und koscherer Wein aus Israel verbreiteten kurzzeitig das Flair orientalischer Essenskultur.

Zum Ausklang des Jom haAtzma’ut-Festes spielte die in Freiburg schon mehrfach aufgetretene und beliebte Frankfurter Klezmer Band von Roman Kuperschmidt.

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