8./9. Mai 1945 - Kriegsende und Tag der Befreiung - Gedenkfeier zum 70. Jahrestag

Text und Fotografien: Roswitha Strüber

 

Am Sonntag, den 10. Mai 2015 hatte der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Freiburg zu einer Gedenkfeier anlässlich des siebzigsten Jahrestages der vollständigen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, des Endes des Zweiten Weltkrieges und des Sieges über Nazi-Deutschland eingeladen. Der 9. Mai 1945, der Tag der Kapitulationserklärung, fiel damals nach dem jüdischen Kalender auf den 26. Ijjar. Seit kurzem nun hat dieses Datum auch als „Jom Schichrur ve Azala – Tag des Sieges und der Befreiung“ Eingang in den religiösen jüdischen Kalender gefunden. Er wird zukünftig regelmäßig zur Erinnerung an die Errettung vom Faschismus in der gesamten jüdischen Welt begangen.   

 

Wenige Stunden vor der Feier am Nachmittag im Gemeindezentrum fand auf dem Jüdischen Friedhof an der Elsässerstraße ein ehrendes Gedenken aller Opfer des nationalsozialistischen Terror-Regimes statt. Vor dem „Mahnmal für die jüdischen Opfer der Gewaltherrschaft 1933 – 1945“ begrüßte die Vorstandsvorsitzende Irina Katz Gemeindemitglieder und Besucher, mit besonderer Herzlichkeit aber Stadtrat Professor Dr. Schuchmann, der als Vertreter der Stadt Freiburg an dem Gedenken teilnahm. In ihren Eingangsworten erinnert Irina Katz an die unvorstellbar große Zahl von Toten auf den Schlachtfeldern, von zivilen Opfern und von Ermordeten in den Konzentrationslagern und Gaskammern. Wörtlich sagte sie zum Schluss: „Deshalb ist es so immens wichtig, den „Tag der Befreiung“ bewusst mit Dankbarkeit wahrzunehmen, ihn aber gleichzeitig auch als Verpflichtung zur Gestaltung einer menschenwürdigen Zukunft zu sehen.“

In seinem anschließenden Beitrag unterstrich Professor Schuchman nachdrücklich die Worte von Frau Katz und berichtete darüber hinaus von persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen, die er als Kind in den letzten Kriegstagen und als heranwachsender Schüler in den ersten Nachkriegsjahren mit der gesellschaftlichen Reaktion auf die Naziverbrechen gemacht hat. Bevor der Straßburger Kantor David Danan neben anderen Gebeten auch das „El male rachamim – Gott voller Erbarmen“ anstimmte, verlas die Vorstandsvorsitzende die Namen der Kriegsveteranen, die in den 90er Jahren aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nach Freiburg gekommen und hier verstorben sind. Gemeinderabbiner Mark Mordechaj Pavlovsky erinnerte seinerseits ebenfalls an die schrecklichen Ereignisse im damaligen Deutschland vor 70 Jahren, die vielfaches Leid und Elend über die Menschen in Europa gebracht haben.

Danach verteilten die Anwesenden die vom Vorstand mitgebrachten roten Nelken auf den Gräbern der Veteranen als Symbol des Sieges und als Zeichen der Verbundenheit mit ihnen. Zum Abschluss der Gedenkstunde weihte Rabbiner Pavlovsky  mit dem Kaddisch und verschiedenen Psalmversen das Grab eines verstorbenen Gemeindemitglieds ein; er ging als Jugendlicher mit 16 Jahren an die Front und kämpfte als Soldat bis zum Ende des Krieges. 

Den Nachmittag im Gemeindezentrum eröffnete die Vorsitzende mit einer bewegenden Ehrung der anwesenden Veteraninnen und Veteranen und überreichte ihnen allen einen Blumenstrauß und ein kleines Präsent. Es folgte ein Konzert mit vielen russischen und ukrainischen Liedern, die der Gemeindechor unter Leitung von Vladislav Belinskiy mit viel Leidenschaft und stimmlicher Vielfalt vortrug. Die weit über zweihundert Anwesenden im Saal folgten mit spürbaren Emotionen den Liedern und sangen immer wieder die ihnen bekannten Melodien begeistert mit.

Mit einer Ansprache des Gemeinderabbiners Pavlovsky im Synagogenraum und einem folgenden festlichen Essen wurde die diesjährige Gedenkfeier beendet. 

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