Musikalische Lesung mit Sascha Berst und Friederike Wild

Text und Fotografien: Roswitha Strüber

Einen vergnüglichen Abend mit einem ernsten, zum Nachdenken auffordernden Hintergrund erlebten die Besucherinnen und Besucher, die am Donnerstagabend, den 18. Juni 2015 zur Musikalischen Autorenlesung in den großen Gemeindesaal der Israelitischen Gemeinde Freiburg gekommen waren. Eingeladen von der Vorstandsvorsitzenden Irina Katz stellte der Freiburger Rechtsanwalt und Krimiautor Sascha Berst seinen neuesten, 2014 im Gmeiner-Verlag erschienenen Roman „Fehlurteil“ vor und las aus drei Kapiteln verschiedene Passagen vor, die den interessierten Zuhörerinnen und Zuhören einen ersten Einstieg ermöglichten, die Hauptcharaktere des Romans und den Themenrahmen der Geschichte kennenzulernen.

„Fehlurteil“ berichtet zwar von einem fiktiven juristischen Fall, der aber, wie der Autor in der anschließenden Diskussion bemerkte, nicht selten in der jüngeren Vergangenheit vorgekommen ist. Die Geschichte spielt 1992 in Freiburg. Eine Staatsanwältin wird von einem ihr unbekannten Mann, Hermann Stein mit Namen, angesprochen und um Hilfe gebeten. Es geht um eine versprochene Eigentumsrückgabe, die nicht eingelöst wurde. Steins Vater, ein jüdischer Geschäftsmann, hatte im Dritten Reich sein Unternehmen einem nichtjüdischen Geschäftsführer übertragen, damit die Firma nicht von den Nazis enteignet wurde. Ausgemacht war, das Stein nach der erhofften Änderung der politischen Verhältnisse in Deutschland seinen Besitz zurückerhält. Doch nach Kriegsende verweigert der Geschäftsführer die Rückgabe, Stein klagt und verliert vor Gericht. Daraufhin erhebt Hermann Stein Klage gegen einige Freiburger Richter wegen vermuteter Rechtsbeugung. Doch seit seiner Klageeinreichung hat er von den Justizbehörden in all den Jahren nichts gehört. Deshalb wendet Stein sich nun an die Staatsanwältin. Nur zögerlich beschäftigt diese sich mit dem Fall, stößt aber bald auf  einige Merkwürdigkeiten. 

Berst hat in seinem Roman ein Thema angesprochen, dass für jede Gesellschaft eine grundlegende Bedeutung haben sollte. Es geht um Recht und Gerechtigkeit und letztlich auch um die Integrität rechtsprechender Institutionen. Auch schon in Spanien und Lateinamerika erschienen, erhielt der Autor erst vor wenigen Monaten im April 2015 für seinen Justizthriller den Krimi-Preis der Stadt Herzogenrath.

 

Für die musikalische Begleitung der Lesung war Friederike Wild eingeladen worden, eine junge Pianistin, die u.a. mit dem Brandenburgischen Staatsorchester und der Südwestdeutschen Kammerphilharmonie Pforzheim gespielt hat. Ihre Inter-pretationen verschiedener Klavierkompositionen des berühmten jüdischen, aus Polen stammenden Pianisten und Komponisten Ignaz Friedman (1882-1948) begeisterten und berührten die Anwesenden sehr.

Mit viel Applaus und mit Blumenpräsenten von der Vorstandsvorsitzenden wurden die beiden Gäste herzlich verabschiedet.

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