Woche der Brüderlichkeit

Text und Fotografien: Roswitha Strüber

 

Mit einem ökumenischen Friedensgebet bereitete sich die Israelitische Gemeinde am Sonntag, den 8. März 2015 auf die „Woche der Brüderlichkeit“ vor. Die Vorstandsvorsitzende Irina Katz hatte am Vortag der Eröffnungsveranstaltung im Südwestfunk in die Synagoge eingeladen, um einen besonderen spirituellen Akzent zu setzen. Neben den Rabbinern Avigdor Stern aus Konstanz, Élie Hayoun aus Mulhouse und den beiden Kantoren Moshe Hayoun aus Mannheim und Elkana Hayoun aus Freiburg, waren auch Dr. Axel Mehlmann, Generalvikar der Erzdiözese Freiburg, Günter Hammer, Pressesprecher der Evangelischen Kirche Freiburg und Markus Weber von der Internationalen Friedensbewegung Pax Christi der Einladung gefolgt.

In ihrer Begrüßung erinnerte Irina Katz an die lange Tradition der „Woche der Brüderlichkeit“ und an die Gedanken, für diese diese Veranstaltungen stehen: Barrieren und Vorurteile zwischen den Religionen zu überwinden und um ein friedliches und verständnisvolles Miteinander in der Gesellschaft zu werben. Wörtlich sagte Irina Katz: „In ihrer Verantwortung für die Menschen ist es genuine Bestimmung der Religionen, mit ganzer Kraft in tiefer Demut und im Bekenntnis der eigenen Schuld jegliche Friedensbemühungen mit ihren Gebeten zu begleiten. Lassen Sie uns deshalb in diese Stunde Gott mit ganzem Herzen bitten, unsere Gebete zu erhören und dem Leiden so vieler Menschen ein Ende zu setzen.“

 

Es folgten, umrahmt von verschiedenen Gesangsbeiträgen der beiden Kantoren, kurze Betrachtungen der einzelnen Geistlichen zu der sittlichen Verpflichtung eines jeden Einzelnen, sich einzusetzen für gegenseitigen Respekt und menschenwürdiges Miteinander. Mit dem gemeinsam gesprochenen jüdischen Gebet Avinu Malkeinum - Unser Vater, unser König endete das in dieser Art erste ökumenische Friedensgebet in der Freiburger Synagoge, das große Nachdenklichkeit bei den zahlreichen Anwesenden ausgelöst hat.

Die offizielle Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit“ erfolgte am nächsten Tag, am Montag, den 9. März im Studio des Südwestfunks. Werner Witt, Leiter der Kulturabteilung des SWR, übernahm in Vertretung des Studioleiters, Rainer Suchan, die Begrüßung und bat die Vertreterinnen  und Vertreter der einzelnen Organisationen um ihre Grußworte. Unter ihnen auch Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und die Vorstandsvorsitzende der Israelitischen Gemeinde Freiburg, Irina Katz. In ihrer Rede forderte Katz eindringlich und mit Entschiedenheit Widerstand gegen Rassismus und Intoleranz ein. „Wie wichtig und unverzichtbar derartige Initiativen der Verständigung und Aussöhnung sind,“ so die Vorstandsvorsitzende, „zeigt sich gerade in der gegenwärtigen Zeit. Mit wachsender Sorge nehmen wir die schrecklichen religiös motivierten Verbrechen und Terroranschläge der letzten Wochen und Monate bei uns und in unserenam  Nachbarländern wahr. Geradezu alarmierend empfinde ich es, wenn in den Nachrichtensendungen und in der Presse davon gesprochen wird, dass die Polizei es als notwendig erachtet, ein „Sicherheitsnetz“ in unserem Land auszulegen, das in besonderer Weise auch die jüdischen Einrichtungen berücksichtigt.“

Als Abschluss und gleichsam als Höhepunkt der Eröffnungsfeier trug die Freiburger Schauspielerin  Natalia Herrera-Szanto in einer überzeugenden Performance mit dem Titel „Hannah und die Liebe“ verschiedene Briefe der jüdischen Philosophin Hannah Arendt vor, die für die anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörer eine unmittelbare Begegnung mit dieser großen Frau und Kämpferin gegen das Naziregime ermöglichte.

Wenige Tage später, am Donnerstag, den 12. März lud der Gemeindevorstand zu einem Konzert in das Jüdische Gemeindezentrum ein. Igor Morosow (Bariton) und Boris Chnaider (Klaiver) interpretierten Werke von russischen, deutschen und jüdischen Komponisten.

 

Mit einem musikalischen Nachmittag am Sonntag, den 15. März in der Seniorenwohnanlage Landwasser konnten Anara Churikova (Gesang) und Jewgeni Goldberg (Klavier) mit Chansons und Romanzen die weit über einhundert Besucherinnen und Besucher begeistern. Mit diesem Konzert beendete die Israelitische Gemeinde Freiburg ihren Veranstaltungszyklus zur diesjährigen „Woche der Brüderlichkeit“.

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