Babij Jar – „Das vergessene Verbrechen“

Text und Fotos: Roswitha Strüber

Unter dem Titel „Babij Jar – Das vergessene Verbrechen“ startete im Jahr 2003 in den Kinos ein Spielfilm, der einen bis dahin totgeschwiegenen Massenmord der Nationalsozialisten öffentlich machte und mit erschütternden Bildern anprangerte. Babi Jar, eine Schlucht nicht weit von der ukrainischen Hauptstadt Kiew entfernt, wurde innerhalb von 36 Stunden zur grausamen Hinrichtungsstätte zigtausender jüdischer Menschen. Am 29. und 30. September 1941 trieben SS-Verbände und Wehrmachtseinheiten in einer perfide durchorganisierten Aktion 33.771 jüdische Frauen, Männer und Kinder aus Kiew und der Umgebung zusammen und transportierten sie nach Babi Jar, wo sie von Erschießungskommandos erwartet wurden.  In einer unbeschreiblichen Vernichtungsaktion fanden alle dorthin Verbrachten den Tod und wurden in dem riesigen Schluchtareal verscharrt. Artur Brauner, ein deutsch-jüdischer Filmproduzent und der Onkel der mit der Freiburger jüdischen Gemeinde durch verschiedene Konzerte freundschaftlich verbundenen Sängerin und Schauspielerin Sharon Brauner, bewahrte die Ermordeten mit seinem Filmwerk vor dem Vergessen und gab ihnen in der Kultur des Gedenkens einen angemessenen Platz.

Im September 2016 jährte sich dieses schreckliche Ereignis zum 75. Mal. Deshalb lud der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Freiburg am Freitag, den 30. September zu einer Gedenkstunde mit Gebet für die Opfer von Babi Jar in die Synagoge ein. Mit bewegenden Worten erinnerte die Vorstandsvorsitzende Irina Katz an das furchtbare und unmenschliche Geschehen und wies auf die gesellschaftliche Verpflichtung hin, ein ehrendes und respektvolles Gedenken an die Ermordeten zu bewahren. In diesem Bemühen hatte Irina Katz bereits wenige Jahre zuvor erstmalig öffentlich auf die Gräueltaten von Babi Jar aufmerksam gemacht und den Blick auf die vielen tausend Opfer gelenkt.

Kantor Moshe Hayoun trug anschließend das „El male rachamim – G´tt voller Erbarmen“ vor und endete mit dem Kaddisch. Darüber hinaus gedachte der Kantor aus aktuellem Anlass der wenige Stunden zuvor in Jerusalem erfolgten Bestattungsfeier des verstorbenen ehemaligen israelischen Staatspräsidenten (2007 – 2014) Schimon Peres.

Die Gedenkstunde endete mit einer kurzen Videoeinspielung aus einem Zusammenschnitt von Szenen aus dem Brauner-Film und dem Poem „Babij Jar“ von Jewgeni Jewtuschenko, das der bekannte Schriftsteller in den 1960er Jahren verfasst hat.

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