Gedenken zum 78. Jahrestag der Reichspogromnacht

Text und Fotos: Roswitha Strüber

Am Mittwoch, den 9. November jährte sich zum 78. Mal die verbrecherische Zerstörungsaktion jüdischer Bethäuser und Einrichtungen durch die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Nur wenige Synagogen, deren Brandschatzung benachbarte nichtjüdische Gebäude in hohem Maße gefährdet hätte, blieben in dieser Pogromnacht verschont. Es war der Beginn der Auslöschung des gesamten jüdischen Lebens in Deutschland. Diesem Wüten staatlichen Terrors fiel auch die Freiburger Synagoge am Werderring zum Opfer. 

In mehreren Veranstaltungen gedachte die Israelitische Gemeinde an diesem Tag der Verwüstung ihres damaligen Synagogenbaus und der gleichzeitigen willkürlichen Verhaftung von weit mehr als einhundert jüdischen Bürgerinnen und Bürgern. 

Für den Nachmittag hatte der Vorstand der Gemeinde zu einem Vortrag von Andreas Meckel eingeladen, der mit seinen Gedanken und Überlegungen einen Ausblick auf die vom 26. November 2016 bis zum 7. Oktober 2017 im Augustinermuseum gezeigte Sonderausstellung „Nationalsozialismus in Freiburg“ gab. Meckel, der seit vielen Jahren in der Thematik arbeitet und publiziert, war als sachverständiges Mitglied im wissenschaftlichen Planungsausschuss für die Ausstellung tätig und erhoffte sich eine große Resonanz, nicht nur bei den einheimischen Besucherinnen und Besuchern, sondern auch bei Touristen und Gästen, die in der Stadt erwartet werden. Denn die Ausstellung, so Meckel, versucht einen Geschichtsabschnitt aufzuhellen, der lange Zeit tabuisiert und mit Schweigen übergangen wurde. Eine Aufarbeitung und Klarstellung der damaligen Geschehnisse ist seit langem überfällig und dringend geboten. Der Wortlaut des Referats, dem es an Eindringlichkeit nicht fehlte und dem die rund 150 Gäste im Gertrud-Luckner-Saal mit großer Aufmerksamkeit folgten, ist deshalb unter folgendem Llink wiedergegeben: Vortrag Andreas Meckel. Die Vorstandsvorsitzende Irina Katz bedankte sich bei dem Referenten sehr herzlich für den engagierten Beitrag. 

Nach dem Vortrag bat Kantor Moshe Hayoun alle Anwesenden zu einem kurzen Gebet für die Opfer des Holocaust in den Synagogenraum und trug das „El male rachamim – G’tt voller Erbarmen“ und das Kaddisch vor. Zuvor waren sechs Kerzen zur Erinnerung an die rund sechs Millionen unter dem Nazi-Regime ermordeten Juden von der Dezernentin Gerda Stuchlik, den Stadträten Atai Keller, Prof. Dr. Rückauer und weiteren Ehrengästen angezündet worden.

Eine von der Stadt Freiburg organisierte zentrale Gedenkstunde, in der außer der Bürgermeisterin Gerda Stuchlik auch weitere Redner an die Pogromnacht vom 9. November 1938 erinnerten, fand wenig später vor dem Haupteingang der Synagoge an der mit Blumengebinden geschmückten bronzenen Erinnerungstafel statt. Vorstand, Gemeindemitglieder und die Vortagsbesucherinnen und –besucher kamen zu der Veranstaltung dazu.

 

Nachdem zuvor der Vorstand alle Gäste zu einem koscheren Büfett eingeladen hatte, beschloss um 19 Uhr ein Konzert im großen Saal des Gemeindezentrums den Gedenktag. Dana Bostedt (Violine) und Tuvia Navon Piano) – beide auf Musikwettbewerben schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet - spielten Stücke von Joseph Acheron, Johann Sebastian Bach, Gilead Mishory, Henri Wieniawski und Camille Saint-Saens. Für ihre Interpretationen erhielten sie vom begeisterten Publikum viel Applaus und vom Gemeindevorstand durch Irina Katz und Michael Kimerling Blumenpräsente.

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