„Das Recht Israels auf Existenz und Sicherheit ist nicht diskutierbar!“ MdB Volker Beck am Jom HaAtzmaut 2017 in der jüdischen Gemeinde

Text und Fotos: Roswitha Strüber

 

Am Dienstag, den 2. Mai 2017 haben die jüdischen Gemeinden und Einrichtungen überall auf der Welt zusammen mit den Menschen in Israel Jom haAtzma’ut, den Tag der Unabhängigkeit des Staates Israel begangen. Vor 69 Jahren verlas der damalige und erste Ministerpräsident Israels David Ben-Gurion im alten Kunstmuseum von Tel Aviv am Rothschild-Boulevard eine Erklärung, die Israels Selbständigkeit und Unabhängigkeit grundlegte. In Israel ist dieser Tag ein Nationalfeiertag, an dem im ganzen Land die Menschen ausgelassen feiern. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde bekundete wie in den Jahren zuvor auch dieses Jahr wieder seine Solidarität mit dem israelischen Volk  und hatte ein abwechslungsreiches Programm zur Würdigung des bedeutsamen nationalen Ereignisses zusammengestellt.

 

Zu ihrer ganz persönlichen Freude war es der Vorstandvorsitzenden Irina Katz gelungen, den Bundestagsabgeordneten Volker Beck vom Bündnis 90/Die Grünen zu einem Vortrag einzuladen. Als religionspolitischer Sprecher seiner Partei und als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages ist Beck ein nachweislich sachkundiger Politiker in Fragen des Nahost-Konfliktes. Zudem hatte Beck zum Ende des letzten Jahres die jüdische Gemeinde Freiburg in ihrem Bemühen um die Erhaltung der auf dem Platz zwischen Theater und Universität aufgefundenen Fundamentreste der Alten Synagoge gegenüber der Freiburger Stadtverwaltung brieflich unterstützt – eine Geste, die der Gemeinde in ihrer verzweifelten Situation viel Mut und Kraft gegeben hat und für die sie sehr dankbar war und auch heute noch ist.

 

In ihrer Begrüßungsrede würdigte Irina Katz die leidenschaftliche Pionierarbeit Herztl´s zur Schaffung einer garantierten Heimstatt für jüdische Menschen aus aller Welt. Wörtlich sagte sie: „Mit der Verlesung der Unabhängigkeitserklärung fand ein Prozess sein Ende, der rund 50 Jahre zuvor von dem österreichischen Schriftsteller und Publizisten Theodor Hertzl und einigen seiner Wegbegleiter mit Leidenschaft und Patriotismus ins Leben gerufen wurde. Herztl war beseelt von dem Gedanken

 

und der Vorstellung eines eigenen, selbständigen jüdischen Staates, in dem jüdische Menschen frei und selbstverantwortlich ihr Leben gestalten könnten. Grundgelegt hat er seine Vision in einer 1896 veröffentlichten Publikation „Der Judenstaat“. Mit diesem Quasi-Manifest wurde er zum Wegbereiter eines modernen jüdischen Staates, der später mit dem Staat Israel seine Verwirklichung fand.“

Einen Blick auf das heutige Israel boten Johannes Reiner, Ehrenvorsitzender des Freundeskreises Freiburg – Tel Aviv, mit seinem Lichtbildervortrag, der die verschiedenen Landschaften Israels streifte und eine ganz individuelle Sicht auf Leben und Kultur der Bevölkerung ermöglichte, und Katja Tsafrir, Vertreterin des Jüdischen Nationalfonds e.V. (JNF-KKL), der größten Umweltorganisation in Israel, mit dem Vorstellen der Arbeitsweise und der verschiedenen Tätigkeitsfelder ihres Verbandes.

 

Ein anschließendes Video-Porträt der 2009 verstorbenen Freiburgerin Sissi Walther-Kligler, die neben einer aktiven Mitarbeit in zahlreichen lokalen Hilfsinitiativen auch mit großem Engagement als deutsche Repräsentantin das Aufforstungsprogramm des Jüdischen Nationalfonds für Israel in der Negev-Wüste tatkräftig unterstützte, beschloss die Reihe der Beiträge mit landeskundlichem Schwerpunkt.

Einen deutlichen politischen Akzent setzte Volker Beck in seinem folgenden Vortrag. Israel, so stellte Beck unmissverständlich fest, ist ein Mitglied der Vereinten Nationen und es ist ein Völkerrechtssubjekt. Die Existenzberechtigung des Staates Israel ist somit rechtskräftig bestätigt. Entsprechend muss sich die politische Haltung der Völkergemeinschaft der Welt positionieren und es als eine Selbstverständlichkeit akzeptieren. Tatsache ist jedoch, dass es keinen Staat auf der Welt gibt, mit Ausnahme Israel, über dessen Existenzberechtigung man regelmäßig glaubt, diskutieren zu müssen. Dabei formuliert das Dokument von 1948 über die Unabhängigkeit zwei substantielle Aussagen: Es artikuliert zum einen die Hoffnung der Bevölkerung Israels und es schreibt zum anderen die Identität des Staates fest. Die Hoffnung Israels richtet sich darauf, dass seine Bürger zukünftig in Frieden leben können; die Hand zu einem friedlichen Miteinander in Gemeinschaft mit den Nachbarstaaten ist gereicht, wird aber beklagenswerter Weise bis heute nicht von allen angenommen. Hinsichtlich der Identität bekennt sich Israel in seiner Unabhängigkeitserklärung als jüdischer und demokratischer Staat, der allen seinen Bürgern - unabhängig von der Religionszugehörigkeit – Gleichberechtigung zusichert, gleichzeitig für alle Juden auf der Welt, die unter Verfolgung und Diskriminierung leiden, eine sichere Heimstatt bietet. Abschließend unterstrich Volker Beck, der im Jahre 2015 für sein Engagement für die jüdische Gemeinschaft

 

in Deutschland vom Zentralrat der Juden den Leo-Baeck-Preis verliehen bekommen hat, die Mitverantwortung Deutschlands für Israels Sicherheit und Eigenständigkeit. Angesichts der skandalösen und politisch motivierten regelmäßigen Verurteilung Israels durch den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf, der fast nur Israel im Focus hat, die Benennung von Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern aber immer wieder zu verhindern weiß, ist dies in besonderem Maße geboten. Für seine klaren und objektiven Worte erhielt der Referent großen zustimmenden  Applaus.  

Mit einem Konzert einer in Berlin lebenden Gruppe junger israelischer und iranischer Musiker, die durch die Sprache ihrer Musik einen Dialog der unterschiedlichen religiösen und kulturellen Identitäten suchen, und einem koscheren Buffet mit Weinen aus Israel endete das Programm.

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