„Die Jüdischen Schicksale“ - Präsentation des Buches von Dr. Pavel Polian

Text und Fotos: Roswitha Strüber

25 Jahre ist es her, dass ein Beschluss der Innenminister aus dem Jahre 1991 die Zuwanderung von mehr als zweihunderttausend jüdischen Bürgern aus den ehemaligen GUS-Staaten nach Deutschland möglich machte. Rechtzeitig zu diesem Jubiläum erschien vor wenigen Monaten das Buch von Pavel Polian „Die Jüdischen Schicksale“, verlegt im Za-Za Verlag Düsseldorf 2016.  Auf Einladung der Vorstandsvorsitzenden Irina Katz   konnte der Autor am Mittwoch, den 26. Januar 2017 im Gertrud-Luckner-Saal des Gemeindezentrums sein Buch der Freiburger Öffentlichkeit vorstellen.

Annähernd einhundert Gäste waren zu der Präsentationsveranstaltung erschienen, unter ihnen etliche Persönlichkeiten aus dem politischen und kulturellen Leben der Stadt und des Umlandes. Professor Dr. Polian, der als akademischer Lehrer an verschiedenen Universitäten tätig war und zugleich Leitungsmitglied mehrerer Forschungsinstitutionen und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen ist, lehrt zur Zeit am Historischen Institut der Universität Freiburg und ist Mitglied der Freiburger Jüdischen Gemeinde. Für ihn ist die Sammlung und Aufarbeitung von Einzelschicksalen jüdischer Auswanderinnen und Auswanderer aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland ein Herzensanliegen. So legte Polian bereits in den Jahren 2013/2014 ein Archiv mit Videointerviews von mehreren Mitgliedern der Freiburger Jüdischen Gemeinde an. Diese stellte er in Auswahl an der jährlichen Gedenkveranstaltung zur Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee der Öffentlichkeit am 27. Januar 2014 in einem großen Rahmen im Kaufhaus der Stadt Freiburg vor. Die nun vorliegende Zusammenstellung weiterer Porträts in Buchform ist eine konsequente Weiterführung der begonnenen wissenschaftlichen Erfassung von Lebensschicksalen, die nach Aussage des Autors neben amtlichen Dokumenten und Statistiken und soziologischen Ausführungen eine wesentliche Voraussetzung für die Bearbeitung einer zukünftigen Geschichte der Migration bedeuten. Mit viel Beifall honorierte das Publikum die präzise und sensible Arbeit Polians wie auch die Bereitschaft des Freiburger Kulturamtes und der Jüdischen Gemeinde Freiburg, die Drucklegung der Publikation finanziell zu befördern. Eine besondere Freude war es für den Autor und die Vorstandsvorsitzende Irina Katz, einige der Zeitzeugen, die bereitwillig an der Erarbeitung ihrer Porträts mitgewirkt hatten, nach der Buchvorstellung persönlich zu begrüßen und mit einem Blumenstrauß zu ehren.    

Harmonisch verbunden mit der Buchpräsentation konnte Irina Katz auf ein besonders schönes und ehrenvolles Ereignis aufmerksam machen. Felix Rottberger, langjähriges Mitglied der Gemeinde, wurde im Herbst des vergangenen Jahres von Bundespräsident  Joachim Gauck mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Hierzu überbrachte die Vorstandsvorsitzende die herzlichsten Grüße und Glückwünsche der Gemeinde. Groß vorzustellen brauchte sie den Geehrten nicht. Radiosendungen, Presseberichte und auch der Film „Felix, eine jüdische Odyssee“ aus dem Jahre 2014 hatten immer wieder über das bewegte Leben Rottbergers und seiner Familie berichtet. Auch der Jubilar selber verzichtete in seinen Dankesworten auf allzu viel biographische Anmerkungen. Dafür berichtete er lieber mit viel Humor und Charme über die vielen Hindernisse auf seiner Reise von Freiburg bis zum Schloss Bellevue in Berlin, wo er letztendlich die hohe Auszeichnung aus der Hand des Bundespräsidenten entgegennehmen konnte.

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