Friedensgebet in der Synagoge

Text und Fotos: Roswitha Strüber

Weit über zweihundert Besucherinnen und Besucher strömten am Sonntag, den 5. März am späten Nachmittag in die Synagoge, um gemeinsam für den Frieden in der Welt zu beten. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hatte wie in den Jahren zuvor erneut zu einer ökumenischen Betstunde eingeladen, die als Beitrag zur diesjährigen „Woche der Brüderlichkeit“ gedacht war. In ihren Begrüßungsworten betonte Irina Katz, Vorstandsvorsitzende der jüdischen Gemeinde,  die  Unverzichtbarkeit dieser  bundesweiten Aktionswoche, die seit 1952 alljährlich von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit organisiert wird.  Wörtlich sagte sie:  “Diese Aktion unterstützen wir von ganzem Herzen und mit aller Kraft. Denn die täglichen Meldungen von kriegerischer, terroristischer und häuslicher Gewalt führen uns immer wieder unsere eigene Machtlosigkeit vor Augen. Aber mit G´ttes Hilfe und Beistand können wir diese Schrecken überwinden. Darum beten wir inständig und voll Vertrauen.“ Im weiteren entwickelte die Vorstandsvorsitzende eine neue und interessante  Perspektive, als sie sagte: „Allerdings möchten wir den doch etwas eng führenden Begriff  ‘Brüderlichkeit‘ ausweiten und im Sinne einer ‘Geschwisterlichkeit‘ verstehen. Gerade in einer Zeit, in der Frauen auf der ganzen Welt sich organisieren und vehement für eine Welt des Friedens und der Verständigung einstehen und in die Öffentlichkeit gehen, wollen wir dieses Engagement unmissverständlich auch in der Benennung der Veranstaltung zum Ausdruck bringen. Folglich sehen wir unsere Betstunde heute als Beitrag zu einer ‘Woche der Geschwisterlichkeit‘.“ So begann die Veranstaltung auch mit dem vielgespielten Videoclip „Prayer oft the Mothers“ von der israelischen Sängerin Yael Deckelbaum, in dem palästinensische und israelische Frauen gemeinsam für  Frieden und Versöhnung demonstrieren.

Petro Svidrun, Erzpriester der Ukrainisch katholischen Kirche , knüpfte in seinen Worten an diesen Gedanken an und betonte, dass eine Versöhnung und mitmenschliche Verantwortung auch über Religionsgrenzen hinaus möglich sein muss. Dabei erinnerte Erzpriester Svidrun an Bischof Andrej Scheptyzkyj, der 1942 zahlreiche vom Naziregime verfolgte Juden in seinem Lemberger Bischofssitz und in katholischen Klöstern verbarg.

 

Erstmalig und auf besondere Einladung der Vorstandsvorsitzenden war Joel Berger, Württemberger Landesrabbiner a.D., in die Freiburger Synagoge gekommen. Für sein unermüdliches Engagement in Wissenschaft und Gesellschaft vom Bundespräsidenten im Jahr 2016 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet nahm Berger das diesjährige Motto der Woche der Brüderlichkeit „Nun gehe hin und lerne“ zum Ausgangspunkt seines Vortrages. Beschäftigung mit den heiligen Texten und lebenslanges Lernen sind Pflicht eines jeden jüdischen Menschen und fest in das jüdische Bildungssystem integriert. Nur mit der Bereitschaft, im Lernen sich Neuem gegenüber offen zu zeigen, betonte Berger, ist  ein von Vorurteilen freies und nicht durch Grenzziehungen beeinträchtigtes Miteinander möglich. Das gemeinsame Beten der Religionen ist ein besonderes und sinnfälliges Zeichen hierfür, endete der Rabbiner.

 

Als weitere Vertreterinnen der christlichen Religionen waren Dr. Gertrud Rapp vom Seelsorgeamt des Erzbischöflichen Ordinariats und Pfarrerin Cornelia Hübner von der Evangelischen Kirche an der Gestaltung der Betstunde beteiligt. Auch sie gaben in ihren Beiträgen der Überzeugung Ausdruck, dass Gebete um Frieden und Versöhnung nicht vergeblich sind und letztendlich Wege zum Anderen ebnen und gegenseitiges Vertrauen wachsen lassen.

Einen musikalisch eindrücklichen Akzent setzte Dana Bostedt mit ihrem Violinespiel. Die junge Künstlerin, die bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde, führte mit dem zentralen jüdischen Gebet  „Schma Israel – Höre Israel“ zu den vorgetragenen Wortbeiträgen hin und begeisterte später mit den virtuos interpretierten Liedern „Yeruschalaim Shel Zahav –Jerusalem aus Gold“ und „Hevenu Shalom Alechem – Wir wollen Frieden für alle“.

 

 Am Ende der Gebetsstunde betete Kantor Moshe Hayoun im Wechsel mit der Vorstandsvorsitzenden und den Vortragenden das „Avinu malkenu – Unser Vater, unser König“ in verschiedenen Sprachen, auf  Russisch, Hebräisch und Deutsch.

Mit einem Konzert im Synagogenraum fand der Abend seinen Abschluss. Der Gemeindevorstand hatte Kantor Moshe Hayoun und das Ensemble Nagilah mit Unterstützung des Zentralrates der Juden eingeladen. Mit Andreas Kaefer, Konzertmeister der Zürcher Symphoniker, und Blagoy Filipov, Solopianist in zahlreichen großen Orchestern, gastierten herausragende Musiker in der Freiburger Synagoge, die mit dem stimmkräftigen Gemeindekantor Hayoun ein breitgefächertes Musikprogramm, von vertonten Bibeltexten bis zu jiddischen Volksliedern und Tanzweisen, dem begeisterten Publikum vorstellten.

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