Gedenken an den Sieg über den Faschismus im Vaterländischen Krieg

Text und Fotos: Roswitha Strüber

Am 8. bzw. am 9. Mai wird in vielen Ländern in West und Ost an das Ende des Zweiten Weltkriegs und an den Sieg über den Faschismus und Nazi-Deutschland gedacht. Seit 1965 ist dieser Tag in der damaligen Sowjetunion und im heutigen  Russland der wichtigste Feiertag im Jahr. Mit einer großen Militärparade feiert man seitdem auf dem Roten Platz in Moskau den Sieg im Vaterländischen Krieg und gedenkt der Millionen von Toten, die dieser Krieg gefordert hat.

 

Mit einem bunten Fest, das die Freude über den Sieg im Vaterländischen Krieg gegen Nazi-Deutschland deutlich werden lies, feierte auch die jüdische Gemeinde Freiburg am Montag, den 8. Mai ausgelassen in ihrem Gemeindezentrum. Die Mitglieder des eigenen Chores hatten ein breites Programm von Lied- und Textbeiträgen vorbereitet, das vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Bevor das liebevoll und ideenreich zubereitete Buffet eröffnet wurde, ehrte die Vorstandvorsitzende Irina Katz gemeinsam mit der Sozialpädagogin Elena Miller die  anwesenden Veteraninnen und Veteranen mit roten Nelken und kleinen Präsenten.

Am folgenden Tag, am Dienstag, den 9. Mai, hatte der Gemeindevorstand zu einem Gedenken der Verstorbenen auf den Friedhof in der Elsässerstraße gebeten. In ihrer Ansprache erinnerte Irina Katz auch an die sowjetischen jüdischen Soldaten. Wörtlich sagte sie: “Allein 13 Millionen Soldaten der Roten Armee sind in den knapp vier Kriegsjahren vom Sommer 1941 bis Kriegsende 1945 gefallen, unter ihnen auch fast die Hälfte der 500.000 jüdischen Armeeangehörigen. Wie alle anderen haben auch sie tapfer und aufopferungsvoll für ihr Vaterland gekämpft bis zum Tod auf dem Schlachtfeld. Sie alle sind Helden, wie auch die Überlebenden. Unvorstellbare Grausamkeiten und bitteres Leid hat der Krieg über sie ausgeschüttet. Am Ende waren sie die Sieger. Das Mutterland dankte ihnen ihren Einsatz jedoch schlecht. Als Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges waren sie Gefeierte; als Juden aber wurden sie in der Sowjetunion, die sie verteidigt und gerettet hatten, diskriminiert. Wenige Jahre nach dem Sieg über den Nationalsozialismus durchzog die UdSSR eine antisemitische Welle schlimmsten Ausmaßes. Auch nach Stalins Tod 1953 blieb, wer in seinem Ausweis in der Spalte»Nationalität« den Eintrag »Jude« stehen hatte, ein Bürger zweiter Klasse, alltäglichen Anfeindungen und Benachteiligungen ausgesetzt. Dagegen halfen auch keine Orden und Medaillen aus dem Krieg.“

 

Frau Dr. Gertrud Rapp, die als Vertreterin der Erzdiözese Freiburg an der Gedenkstunde ebenfalls teilnahm, bezog sich in ihrem Wortbeitrag auf den jüdischen Schriftsteller Samuel Lewin, der in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen bereits die kommende Katastrophe vorausahnte und in seinem Werk „Chassidische Legende“ drei Rabbiner G’tt inständig bitten lässt, den Messias zu senden. Denn mit dem Kommen des Messias erwartet das Judentum die Erlösung Israels von jeglichem Leid und Unglück.

Bevor die Vorstandsvorsitzende an alle Anwesenden rote Nelken mit der Bitte austeilte, sie auf  die Gräber zu legen, sprach Kantor Moshe Hayoun für die Verstorbenen das „El Male Rachamim – G’tt voller Erbarmen“.

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