Purim 5777

Text und Fotos: Roswitha Strüber

Unbeschwerte Stimmung herrschte am Sonntag, den 12. März 2017 im Gemeindezentrum der Israelitischen Gemeinde Freiburg. In Erinnerung an die Errettung des Israelitischen Volkes aus großer Gefahr zur Zeit des persischen Großkönigs Ahasweros feiert das Judentum jedes Jahr am 14. des Monats Adar ein fröhliches und ausgelassenes Fest. Damals, im 5. Jahrhundert vor unserer Zeit, lebten zahlreiche Juden in Persien, so auch  Mordechai. Er war Palastwächter und genoss die Gunst des Großkönigs, da er einen Mordanschlag auf ihn vereitelt hatte. Als Ahasweros Haman zum höchsten Regierungsbeamten ernannte, verlangte dieser von der gesamten Dienerschaft, vor ihm niederzuknien. Als Jude verweigerte Mordechai jedoch den Kniefall. Voll Zorn plante Haman die Ermordung aller Juden im persischen Großreich und bestimmte den Tag für die verbrecherische Tat durch Lose (Purim). Ester, die Frau des Großkönigs und zugleich Adoptivtochter Mordechais, berichtete Ahasweros von dem Mordplan und erreichte die Bestrafung Hamans und aller seiner Komplizen.

 

Berichtet wird von diesen Ereignissen in der Rolle Ester, der Megillat Ester. In dem heiligen Text heißt es aber auch im Kapitel 9, Verse 20-22: „Mordechai schrieb alles auf, was geschehen war. Er sandte Schreiben an alle Juden in allen Provinzen des Königs Ahasweros nah und fern und machte ihnen zur Pflicht, den vierzehnten und den fünfzehnten Tag des Monats Adar in jedem Jahr als Festtag zu begehen. Das sind die Tage, an denen die Juden wieder Ruhe hatten vor ihren Feinden; es ist der Monat, in dem sich ihr Kummer in Freude verwandelte und ihre Trauer in Glück. Sie sollten sie als Festtage mit Essen und Trinken begehen und sich gegenseitig beschenken, und auch den Armen sollten sie Geschenke geben.“

 

So bestimmten Frohsinn und Festfreude den Ablauf des Purim-Tages in der Gemeinde. Nach dem vormittäglichen G´ttedienst mit Lesung der Megillat Ester feierten die Kinder und Jugendlichen ihr eigenes Purim-Fest mit Kantor Moshe Hayoun und dem Jugendreferenten der Israelitischen Gemeinde Freiburg David Weiss. Am Nachmittag führte die Theatergruppe „Lomir alle“ eine erfrischende Musical-Fassung des Purim-Spiels im Gertrud-Luckner-Saal auf und erhielt für ihre unkonventionelle, mit modernen Anspielungen versehene Spielweise vom Publikum viel Beifall.

Bevor die Vorstandsvorsitzende Irina Katz zum gemeinsamen Festessen einlud, bat Kantor Hayoun Gäste und Gemeindemitglieder zum Lesen der Rolle Ester in den Betraum. Dabei wurden die zuvor von Irina Katz verteilten Ratschen leidenschaftlich betätigt, sobald im Text der Megillat der Name des Schurken Haman genannt wurde.

Wie immer sehr herzlich und freundschaftlich in der Gemeinde empfangen sorgte Boris Rosenthal für den musikalisch unterhaltenden Part während des Essens und beim nachfolgenden Ballabend. Als Solosängerin war Tallana Gabriel aus Berlin mit angereist. Die in Moskau geborene  und dort und in New York ausgebildete Jazz- und Opernsängerin begeisterte die bunt gekleidete Festgesellschaft ein ums andere Mal mit ihrer voluminösen, kräftigen Stimme. Beide Künstler konnte der Gemeindevorstand mit Unterstützung des Zentralrates der Juden für den Purimball nach Freiburg einladen.

Zurück