„Verbrannte Bücher“ - Eine musikalische Lesung

Text und Fotos: Roswitha Strüber

 

Am 10. Mai 1933 kam es auf dem Platz vor der Humboldt-Universität in Berlins Zentrum und in weiteren 22 Städten des Deutschen Reiches zu einem großangelegten Willkürakt der herrschenden Machthaber. Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund hatte als „Aktion gegen den undeutschen Geist“ landesweit zum Verbrennen des Schrifttums jüdischer und anderer unliebsamer Autoren aufgerufen. Gerade drei Monate nach der Machtübernahme Adolf Hitlers wollte das Nazi-Regime die Universitäten mit ihren Studenten und Professoren durch diese Demonstration gegen den jüdischen Zersetzungsgeist auf ihre Ideologie einschwören. So fielen die Werke von mehreren hundert Schriftstellern, Publizisten, Philosophen und Wissenschaftlern diesem wahnsinnigen Treiben zum Opfer.

Zur Erinnerung an diesen verbrecherischen Anschlag auf Geist und Kultur hatte die Israelitische Gemeinde am Sonntag, den 7. Mai 2017 zu einer musikalischen Lesung in ihr Gemeindezentrum eingeladen. In ihren Begrüßungsworten erinnerte die Vorstandsvorsitzende Irina Katz an diese schrecklichen Ereignisse vor 84 Jahren. In diesem Zusammenhang verwies Katz auch auf die fast schon prophetischen Worte von Heinrich Heine aus seiner Tragödie Almansor (1823): „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“. Aus der leidvollen Erfahrung der Vergangenheit und aus Sorge über die nicht zu übersehenden Phänomene eines neu erwachenden Antisemitismus in der heutigen Gesellschaft erweiterte die Vorstandsvorsitzende Heines Worte und schloss mit der deutlichen Mahnung: „Zuerst haben sie die Bücher verbrannt, dann die Synagogen und zuletzt die Menschen.“

In einer kleinen, aber signifikanten Auswahl stellte Harald Westphal, ehemaliger Pädagoge an der Jugendmusikschule in Titisee-Neustadt und Initiator der Lesung, im folgenden zusammen mit den vier Jugendlichen Simon und Valentin Matt, David Korotine und Gregor Peskin verschiedene Gedichte, Kurzgeschichten und Textauszüge aus den Werken im Nationalsozialismus verfemter Schriftsteller vor, u.a. von Erich Kästner, Alfred Döblin, Leon Feuchtwanger und Thomas Mann. Kurze Musikstücke zwischen den einzelnen Lesebeiträgen – gespielt von den jungen Mitwirkenden - gaben dem Publikum Raum, die einzelnen Texte auf sich  wirken zu lassen.

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