Offener Brief von Volker Beck (MdB) an den OB Dieter Salomon zum Umgang mit den gefundenen Fundamentresten der Alten Synagoge

Berlin, 07.11.2016 

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

Lieber Dieter,

 

die aktuellen Ereignisse rund um den Platz der Alten Synagoge, welche ich aktuellen Medienberichten der Badischen Zeitung vom 05.11. entnehmen konnte und wie es Irina Katz geschildert hat, verstören mich zutiefst. Der Umgang der Stadt Freiburg mit den Überresten der am 9.11.1938 zerstörten Synagoge, sowie das Vorgehen gegenüber der Israelitischen Gemeinde, halte ich für unsensibel und grundlegend verkehrt.

 

Wenn François Blum, dessen Vorfahren in dieser Synagoge gebetet haben, sein Kommen an der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht mit Verweis auf Ihr „schlimmes“ und „unvorstellbares“ Handeln absagt wird es höchste Zeit, die eigene Position zu überdenken und den Betroffenen zuzuhören. Als an der Baustelle am Platz der Alten Synagoge Reste der zerstörten Synagoge gefunden wurden, war dies eine einmaliger historischer Fund, der eine verloren geglaubte Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bot. Doch die Stadt missachtete sowohl die Bedeutung dieses Fundes als auch das Abkommen mit der Israelitischen Gemeinde und ließ die Steine entfernen. Nicht einmal auf die Bitte der Gemeindemitglieder, mit dem Abtragen der Steine bis nach dem geschichtsträchtigen Datum des 9. Novembers zu warten, ging man ein. Zurück blieben, wie ich höre, fassungslose Gemeindemitglieder. Auch andere Bürgerinnen und Bürger sind aufgebracht.

 

Lieber Herr Dr. Salomon, ich fordere Sie hiermit auf, das Vorgehen der Stadt grundlegend zu überdenken und sich für einen sichtbaren Erhalt der Mauerreste einzusetzen. Es ist ein falsches Signal, mit den Überresten einer von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge wie mit einem Stör- und Kostenfaktor umzugehen. Gerade in Deutschland muss die Politik sensibel mit der Geschichte umgehen und vor allem in einem solchen Fall auf die Sorgen und Anliegen der jüdischen Gemeinden eingehen.

 

Ihrer Antworte blicke ich mit großem Interesse entgegen.

 

Volker Beck

 

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