Pressenotiz: Mauerreste auf dem Platz der Alten Synagoge

Am 27. Oktober 2016 hat in den Räumen der Israelitischen Gemeinde Freiburg eine Informationsveranstaltung stattgefunden, in der Herr Bürgermeister Prof. Dr. Martin Haag und Herr Dr. Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege den Gemeindemitgliedern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern erläutert und dargestellt haben, wie aus Sicht der Stadt Freiburg und des Denkmalamtes mit den aufgefundenen Mauerresten auf dem Platz der Alten Synagoge umgegangen werden soll. Nach der Darstellung der Vertreter der Stadt Freiburg gibt es zu der derzeitigen Planung keine Alternative. Dies bedeutet zum einen, dass die Mauerreste im östlichen Bereich teilweise abgetragen werden sollen, um den Bau der Brunnenanlage entsprechend der Planung fortzuführen und zum anderen, dass die restlichen Mauerteile durch Zuschüttung „geschützt“ werden sollen.

 

Die Informationen haben dazu beigetragen, dass die Diskussion nunmehr mit den notwendigen fachlichen Hintergrundkenntnissen geführt werden kann. Dabei ist deutlich geworden, dass die Stadt Freiburg nur die beiden Möglichkeiten sieht, entweder die aufgefundenen Mauerreste zuzuschütten oder auf das Brunnenprojekt zu verzichten. Da das Bauvorhaben allerdings vorangeschritten ist, lehnen die Vertreter der Stadt eine Planänderung ab.

 

In der Informationsveranstaltung haben die Mitglieder der Gemeinde einstimmig für einen Erhalt und eine Sichtbarmachung der Mauerreste votiert und erklärt, dass notfalls auf das Brunnenprojekt verzichtet werden soll.

 

Gleichzeitig wurde auch deutlich, dass die Alternative, den Brunnen um einige Meter zu versetzen, um so eine Möglichkeit für die Realisierung beider Projekte zu schaffen, offensichtlich von der Stadt nicht für durchführbar gehalten wird. Finanzielle und planerische Gründe stehen nach Auffassung der Stadt diesen Überlegungen entgegen.

 

Die Tage vor und nach dem 9. November, dem Jahrestag der nationalsozialistischen Pogrome, sind für die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Freiburgs, sowie für viele andere Menschen in der Stadt und im Ausland eine Zeit des trauernden Gedenkens. In dieser Zeit bedeutet das endgültige Zerstören der gefundenen Synagogenmauern eine unzumutbare Belastung für alle. Deshalb hat der Vorstand der Israelitischen Gemeinde vorsorglich Herrn Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon gebeten, sollte die Stadt weiterhin auf ihrem bisherigen Vorhaben beharren, mit dem Abtragen der geschichtsträchtigen Mauerreste erst nach dem 15. November 2016 zu beginnen.

 

Irina Katz

Vorstandsvorsitzende

Israelitische Gemeinde Freiburg K.d.ö.R.

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